Texte

Die Sterntagebücher des Lukas Himmelslatscher

Für Peter Mayhew. Uughguughhhghghghhhgh aaaaahnr huurh huurh raaaaaahhgh. (Möge die Macht mit dir sein.)

 

Es war einmal vor nicht allzu langer Zeit in einem Bundesland weit, weit entfernt…

Montag

Liebes Tagebuch, meine Tante hat mir geraten, ich solle doch mal Tagebuch schreiben, dann könnte ich mir den Ballast von der Seele reden und in ein paar Jahren nachlesen, was ich so alles gefühlt und erlebt habe und so. Das wäre doch schön, sagt sie. Das wäre schön, aber leider erlebt man hier nichts. Ich lebe mit meiner Tante und meinem Onkel auf einem Bauernhof am Arsch der Welt und es passiert ü-ber-haupt nichts Cooles. Dabei träume ich von Reisen und Abenteuern. Statt dessen langweile ich mich zu Tode. Und eine Freundin habe ich auch nicht, sonst könnte ich zumindest knattern. Hier wird nie was krasses passieren.

Dienstag

Liebes Tagebuch, heute ist was krasses passiert. Mir wurde eine e-mail mit Anhang zugestellt, die gar nicht für mich bestimmt war. Das ist aber noch nicht das krasse, wart mal ab, wart mal ab! In der Mail war ein kurzes Video von einer superhübschen Ollen. „Helft mir Opi Jan mit Knobi, ihr seid meine letzte Hoffnung.“ Mehr nicht, das Video war unvollständig. Aber weil die Olle äußerst knatterbar aussah, habe ich meine Tante und meinen Onkel gefragt ob mit Opi Jan wohl der Opi Jan gemeint sein könnte, der ein Stück entfernt im Wald einsiedelt. Onkel wurde sauer und meinte ich soll mich um meinen Scheiß kümmern. Hab dann die Biege gemacht und bin zu Opi Jan in den Wald. Fast hätten mich noch ein paar Nazis aufgemischt, aber Opi Jan ist augtaucht und hat sie vertrieben. Er war mal bei der NVA oder der Bundeswehr oder sowas und kann voll krass gut kämpgen und man sollte sich nicht mit ihm anlegen. Obwohl er alt ist. Ich finde, er sieht mehr wie ein englischer Schauspieler als wie ein ranziger Einsiedler. Hab ihm das Video gezeigt und er meinte, wir müssten dann mal los. Und hab gefragt: „Wie, wir müssen los? Ich kann hier nicht weg, ich werde auf dem Hof gebraucht.“ Da hat mir Opi Jan erzählt, das man mich mein ganzes Leben lang nur belogen und betrogen hat, von wegen mein Vater wäre Vietnamkrieg abgeschossen worden. Deutschland war wohl gar nicht im Vietnamkrieg dabei. Hätte man mir aber auch mal sagen können, finde ich. Detlef Vedder hat ihn gekillt, ein gar übler Typ, so ein Asthmatiker im schwarzen Anzug, der für das Böse arbeitet. Vorstandsvorsitzender bei der Deutschen Bank isser und hat meinen Papa kaltgemacht. Und dann schenkt mir Opi Jan das Klappmesser meines Vaters, so eins mit megageilen LED – Lichtern dran. Die eleganteste Stichwaffe in der Hood damals, meint er. Na, da werd ich wohl mal los mit dem Opi Jan und den Typen alle machen, der meinen Daddy alle gemacht hat. So geht’s ja nicht. Ich hab auch meine Prinzipien. Aber vorher noch bei Tante und Onkel vorbei und fragen ob das klar geht mit dem Rache machen.
Mittwoch

Liebes Tagebuch, Tante und Onkel sind völlig abgebrannt. Ein Trupp der Deutschen Bank war da und hat alles weggepfändet, erzählen sie. Keinen Cent hätten sie mehr. „Jetzt hält mich hier nix mehr“, sage ich zu Opi Jan und er meint, wir müssten nach Frankfurt, um Detlef Vedder zu stellen, bevor er für seinen Boss ein Schneeballsystem fertigstellen kann, mit dem er ganze Volksgruppen abzuzocken vermag. Aber nach Frankfurt latschen hat Opi auch keinen Bock drauf, deswegen gehen wir in Mos Eisleben in eine Bar, da lungern immer LKW-Kutscher rum, die nicht viel fragen stellen. Der Schuppen ist übel, so richtig übel. Die sind so übel drauf, die verkaufen da nur Wasser mit Blubber. Wer stilles will, kann ja woanders hingehen. Ein Typ mit derbem Nuschelproblem macht mich dumm an. Ich verstehe ihn nicht, da wird der voll aggro. Hätte dumm für mich ausgehen können aber Opi Jan zieht sein geiles Butterfly mit LED – Beleuchtung und messert dem Nuschler den Arm ab. Ganz schöne Sauerei, interessiert aber keinen. Vielleicht weil Opi Jan mal bei den Bullen war. Wir erfahren, das es einen Trucker gibt, der gerade Kundschaft sucht und gehen zu seinem Tisch. Mit am Tisch sitzt ein totet kleiner Typ, den der Trucker gerade abgeknallt hat, aber das ist okay, weil er zuerst geschossen hat. Der Trucker, nicht der kleine tote Typ. Er stellt sich als Bin Solo vor. Der Trucker, nicht der kleine tote Typ. „Was ist denn das für ein blöder Name?“, frage ich und er sagt: „Ich heiße so, weil ich solo bin.“ Aha, denke ich. Was für ein Lauch. Egal, er ist verfügbar. Sein rauchender Falke, wie er seinen Laster wegen der beschissenen Abgaswerte nennt ist megaschnell, der macht die Strecke Flensburg – Berchtesgaden in unter 12 Stunden. Wer’s glaubt. Beim Anblick der Rostlaube überlege ich, ob ich besser aussteige und schiebe.
Donnerstag

Liebes Tagebuch, zehn Stunden sind wir jetzt schon im Laster unterwegs. Die Hütte stinkt abartig, vor allem wegen Solos Beifahrer, einem riesigen Rastafari, der unentwegt Kautabak mampft und ausrotzt, wovon die Hälfte in seinen Haaren landet. Ekelhaft. Kein Wunder, das ihn alle nur Chewtabac nennen. Weil er immer die Fresse voll mit dem klebrigen Zeug hat, kann er kaum sprechen, sondern grölt auf jede Frage immer nur „Jah“ in verschiedenen Betonungen. Solo tut so, als würde er ihn verstehen, aber ich glaub, der blufft nur. Zwischendurch jagen uns ein paar Bullen und ich weiß nicht wie wir sie loswerden sollen, die hängen an uns wie Pickel am Arsch. Opi Jan sagt, ich hätte die Kraft, die hätte mein Vater auch gehabt, also zeige ich den Bullen meine Muskeln und sie ziehen hab. Stark. Fühle mich wie Schwarzenegger. Oder Felix Lobrecht. Opi Jan erklärt mir endlich, wohin wir unterwegs sind. Die knatterbare Olle aus der Mail heißt Princess Lisa. Eigentlich nur Lisa, aber sie tritt auch als Strassenrapperin auf, um sich n paar Euronen plus zu verdienen, deswegen Princess, klingt einfach fetter. Im Anhang hat sie die Pläne der neuen Hauptfiliale der deutschen Bank angehängt. Wenn die fertig wird, dann werden ganze Städte wegfinanziert, das muss voll verhindert werden. Also fahren wir zur ALDI – Filiale in der Lisa arbeitet, da trifft sich der schwarze Block, die brauchen die Pläne. Lisa selbst ist voll krass auf der Flucht wie Harrison Ford in dem einen Film, wo er auf der Flucht ist. Komme grad nicht auf den Titel. Ob er den auch gesehen hat, frage ich Solo, aber hat er nicht. Was für ein Megalauch. Harrison Ford muss man ja wohl kennen.
Donnerstag nachmittag

Boah, Tagebuch, du glaubst es nicht. Wir kommen da endlich an an der ALDI – Filiale und dann ist die nicht mehr da. Voll weggebaggert, der Laden, nur noch so ein paar Trümmer von da. Statt dessen nur so ein riesiger Klotz und Opi Jan sagt, das ist kein Klotz, das ist ne Bank und Solo so, wer soll denn bitte so eine fette Bank bauen. Aber da kam schon der Sicherheitsdienst rausgefetzt und schleppt unsern Truck ab, aber wir sind ja nicht doof und verstecken uns in nem Geheimversteck, wo Solo sonst immer sein Weed geheim versteckt und den Kautabak von Chewtabac, der ist nämlich auch nicht so ganz legal. Die Securityärsche schleppen uns jedenfalls ab wie ein betrunkene Schnalle in der Disco und parken den Truck in der Tiefgarage. Wir schleichen uns raus und in ein Büro. Da hacke ich mich mit meinem Nokai R2D2 ins System, um zu gucken, wie wir das scheiß Garagentor wieder aufkriegen, um zu flitzen und Aaaalter, du glaubst es nicht: die Penner halten Lisa hier gefangen. Voll krass. Die müssen wir befreien, vielleicht kann ich sie dann knattern, wenn die dann so voll dankbar ist. Geil. Solo ziert sich noch, aber ich sag, die Lisa ist Rapperin, die hat bestimmt gutes Weed und da ist er dabei. Opi Jan, der mal Elektriker war, sorgt währenddessen für einen Kurzschluss im Hauptverteiler, dann geht das Tor von ganz alleine auf. Wir holen also Lisa aus dem hauseigenen Knast, was aber nicht ohne ein bisschen Gewalt abgeht, weil hier echt viel Security am Start ist. Aber wir sind ja nicht doof, beziehungsweise Lisa ist nicht doof und weiß einen Fluchtwehg und durch einen Müllschacht kommen wir allesamt wieder in der Garage an. Und da geht auch schon das Tor auf. Opi Jan, Opi Jan, denke ich nur, man soll das Gammelfleisch halt nicht unterschätzen. Aber als er zu uns stoßen will stellt sich ihm ein Typ in schwarzem Anzug und mit Inhalator in den Weg. Vedder! Verfluchte Kacke. Opi versucht den Whacko noch wegzumessern, aber dann „Puff“ isser einfach weg, der Opi. Geiler Trick. Wir machen uns aus dem Staub.
Freitag

Liebes Tagebuch, voll gut, wir haben es bis zum Headquarter des schwarzen Blocks geschafft. Mit den Plänen sollten wir jetzt die Bankpenner lahmlegen können. Aber kacke, die haben uns einen Virus angehängt. Eine Firewall nach der anderen wird durchbrochen. Solo geht kacken und ich sag noch, du kannst doch jetzt nicht kacken gehen, die Story ist gleich zu Ende, aber er muss nu mal, sagt er. Währendessen meint ein Informatiker, das man das System der Bank nicht knacken könnte, das ginge nur mit dem Passwort, aber das kann man unmöglich rausfinden, bevor uns der Virus die Rechner schreddert. Plötzlich höre ich ein Stimme in meinem Kopf. Die von Opi Jan. „Vertrau auf die Kraft.“ Mann, ich sollte echt nicht mehr heimlich von Solos Weed rauchen. Aber ich spann den Bizeps an, das hilft nicht, sieht aber voll geil aus. Sehe Lisa an, ob sie vielleicht Knatterbereitschaft signalisiert. Ne, guckt nur auf den Monitor. „Probier mal ‚Passwort‘ als Passwort“, sage ich. „Unmöglich“, stöhnt jemand. „Hatten wir zuhause auch“, entgegne ich. Solo kommt vom Klo und macht „Woohoo“. Hat wohl gut gekackt. Ich tippe „Passwort“ ein.

Bumm! Das System der Bank ist zerfickt. Wir haben gewonnen. Geilomat.
Samstag

Tagebuch! Wir sind die Geilsten! Die Bank ist am Arsch. Leider ist Vedder abgehauen, aber den pack ich mir noch. Bei uns sind alle aus dem Häuschen. Party ist angesagt. Lisa hängt uns Medallien um, die sie als Kind beim Voltigieren gewonnen. Total druff, die Schwester. Knattern will sie immer noch nicht. Hatte erst Schiss, das sie mit Solo in die Kiste steigt, aber die beiden zicken sich die ganze Zeit nur an, das wird nie was. Aber bei ihr und mir spüre ich eine Verbindung. Sollte Kondome kaufen. Aber jetzt wird erstmal gefeiert. Chewtabac legt fetten Reagge auf, Solo verteilt Tüten. Alle jubeln.

Tusch.

Abspann.

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