Der kleine Sonntagskrimi/Texte

Der kleine Sonntagskrimi #013

detective3

„Verzwickt und verzwackt“, murmelte Kommissar K. Er und sein Assistent H. standen in dem Wohnzimmer ihres aktuellen Mordopfers. Der Mann war vor zwei Tagen aufgefunden worden. Es sah nach einem friedlichen Ableben im Sessel vor dem Fernseher aus. Unter anderen Umständen hätte man den Fall vermutlich schnell zu den Akten gelegt. Doch K. hatte es stutzig gemacht, das ein Mann mit Ende Vierzig einfach so die Augen schließt und stirbt, zumal ein sportlicher Mann mit einem guten Job, hervorragendem Einkommen und einer beneidenswerten Gesundheit. Die Obduktion hatte nichts ergeben, kein Herzinfarkt, kein Gift, kein Schlaganfall. „Er ist einfach gestorben“, hatte der Pathologe zum Kommissar gesagt und leicht hilflos mit den Achseln gezuckt.
Eine Verdächtige hatte K. schnell zur Hand. Die Witwe hatte mit ihrer Trauer zu dick aufgetragen und als K. sie im Verhör in die Zange nahm verstrickte sie sich in Widersprüche bis ihr Anwalt weitere Aussagen unterband, ihr Alibi erwies sich als falsch und ihre beste Freundin brach zusammen und berichtete, das die Frau des öfteren vom Ehegattenmord sprach. Sie hatte es auf die beachtliche Lebensversicherung des Toten abgesehen.
Motiv und Möglichkeit waren klar, aber wie hatte sie es zustande gebracht?
Also war K. wieder an den Ort des Verbrechens zurückgekehrt, um noch mal von vorne wieder anzufangen. Würde er nicht schnell die Todesursache klären, würde der Fall zu den Akten gelegt.
Er sah sich im Raum um. Der Sessel, in dem man den Toten gefunden hatte. Der Raum selbst stilvoll, aber spartanisch und modern eingerichtet. Es war unwahrscheinlich, das man was übersehen hatte. K. sah zum Fernseher. Unter dem Fernseher stand ein DVD-Player, die Anzeige blinkte. K. runzelte die Stirn. „Sagen sie“, wandte er sich an seinen Assi. „War der Fernseher an, als man den Mann gefunden hat?“
H. blätterte in seinen Notizen. „Nein“, sagte er. Er deutete auf den Fernseher. „Aber ich kenne das Model. Der geht automatisch aus, wenn nichts läuft.“
K. beugte sich herunter zum DVD-Player und drückte die Eject-Taste. Neben dem Player lag eine geöffnete Hülle von „Rambo II“. Der Tote hatte Actionfilme geliebt, das verriet sein Regal. Im Player war die entsprechende DVD, aber K. fand sie verdächtig. Er entnahm sie vorsichtig mit einer Pinzette und seine Vermutung bestätigte sich: die DVD war gefälscht und zwar ziemlich stümperhaft am PC-Drucker für den Hausgebrauch. Aber gut genug, damit es dem Opfer nicht auffiel. Kommissar K. schaltete den Fernseher an und spielte die DVD ab.
Gespannt blickten K. und H. auf den Bildschirm.
„Verdammt“, sagte K. „Ich hab’s doch gewußt!“
Verblüfft schüttelte sein Assistent den Kopf. „Sie sind echt ein Fuchs, Herr Kommissar. Ihnen entgeht wirklich nicht. Was für ein perfide Art, jemanden zu ermorden.“
„Wirklich hinterlistig“, stimmte K. zu.
Auf dem Fernseher lief die Aufzeichnung der letzten Echo – Preisverleihung.
K. brummte zufrieden. „Tödliche Langeweile. Was für ein fieser Plan. Wir haben unsere Mordwaffe. Ausschalten und einpacken, H.“ Er zündete sich ein Zigarre an, als sie die Wohnung verließen. Er zog die Tür hinter sich zu, stieß eine Wolke Rauch aus und sagte: „Fall gelöst.“

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