Der kleine Sonntagskrimi/Texte

Der kleine Sonntagskrimi #012

Philip-Marlowe

Kommissar K. stand am Fenster, rauchte eine blaue Gauloises und sah hinaus auf die Stadt. Manchmal liebte er sie, manchmal hasste er sie, aber nie war sie ihm egal. Er war ein Polizist, ein Mann der Stadt. Sie war seine Heimat, aber sie war auch ein Moloch, der Monster hervorbrachte, die Menschen veränderte. Wie war sonst so ein Verbrechen erklärbar? Er und sein Assistent H. befanden sich in einem edlen Appartment, für dessen Monatsmiete die beiden drei Jahresgehälter springen lassen müssten. Nur für die Kaltmiete wohlgemerkt. Ihre Verdächtige, eine zarte Frau Ende Dreißig, gebildet, gutaussehend und eine bekannte Geschäftsfrau und Philanthropin saß in einem Designersessel und verwehrte sich ruhig und sachlich den Vorwürfen und Verdächtigungen der Polizisten in ihrem Wohnzimmer. Es passte alles, Motiv, Gelegenheit und sie hatte kein übereugendes Alibi. K. konnte sich durchaus vorstellen, das sie ihren Mann umgebracht haben könnte. Nur die Art und Weise passte so gar nicht zu dieser beherrschten und gebildeten Dame. Die Leiche ihres Gatten war heute morgen im Stadtpark gefunden worden, der Körper in der Mitte grob zertrennt, die untere Hälfte des Toten war verschwunden.
K. beobachtete die Frau, wie sie immer wieder den Kopf schüttelte, wenn H. sie nach ihren Eheproblemem fragte, die lang und breit in den lokalen Klatschspalten nachzulesen waren, nach ihren finanziellen Verhältnissen und ihrem Tatmotiv. Er beobachtete die selbstbewußte Frau, die so gut verbergen konnte, das sie innerlich aufgewühlt war. War sie wirklich fähig, ein so brutales blutiges Verbrechen zu verüben oder in Auftrag zu geben? Ihre Ehe war nicht optimal gelaufen, aber es war keine katastrophale gewesen.
Er seufzte. Das könnte noch ein vertrackter Fall werden. Er sah wieder zum Fenster hinaus. Aber was…
Er sah noch mal genauer hin, aber er hatte sich nicht getäuscht. So ein Mist.
„Lassen sie die Lady in Ruhe“, sagte er zu seinem Assistenten. „Sie ist unschuldig.“
H. sah verblüfft von seinem Notizblock auf. „Was? Wie kommen sie darauf? Haben sie neue Fakten?“
K. betrachtete die Strassen unter sich. „Sagen wir mal so: ich habe einen neuen Verdächtigen.“ Die Stadt war ein Moloch und manchmal brachte sie Monster hervor.
K. zündete sich eine neue Zigarette an und sah auf die Stadt.“Fall gelöst“, brummte er missmutig.
Der Tyrannosaurus rex bewegte sich auf das Einkaufszentrum zu.

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