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Der Black Metal – Jahresrückblick 2012

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1.Januar
Aufwachen, Anlage an.

1.Januar, zehn Minuten später
Ne, doch nicht. Kotzen, Kopfschmerzen, wieder hinlegen.

3.Januar
Jetzt doch: Aufwachen, Anlage an.
Fasse guten Vorsatz für das neue Jahr:
„Zur schwarzen Silvestermesse Met auf Bier,
das rat ich dir.
Menschopferblut auf Honigwein, das lass sein.“
Sollte mir außerdem abgewöhnen, ständig Tomatensaft als Menschopferblut zu bezeichnen.

12.1.

Angrillen. Wir sind spät dran dieses Jahr.

13.1.
Mama hat bald Geburtstag. Ich glaub, ich schenk ihr eine Kreuzfahrt. Jetzt wo italienische Kapitäne sich um satanische Kunden bemühen, indem sie ihre Kreuzfahrtschiffe in die korrekte Position drehen, ist das true.

29.6. – 1.7.
Bin auf dem With full force-Festival. Musikalisch eher nicht so mein Ding. Beschließe, mir die Lichter auszuknipsen und lasse mir von einem Hardcore-Rastafari selbstgezüchtete Pilze aufschwatzen. Eine Stunde später, Heaven shall burn fangen gerade an zu spielen, führe ich total zugedröhnt einen altheidnischen Regentanz auf. Bin von Ergebnis selbst ganz geflasht.

5.7.
Die Schweizer vom CERN-Institut haben angeblich das Gottesteilchen entdeckt. Schreibe den Eidgenossen einen Brief, das ich nicht daran glaube.
Frage mich, ob es Satansteilchen gibt und man mit Realschulabschluss Physik studieren kann.

2.- 4.8.
Bin auf dem Wacken. Lasse jeden ununterbrochen wissen, für wie untrue ich die Metalkirmes halte und bin schon am ersten Tag total heiser. Muss feststellen, das irgend so ein Penner auf mir unerklärliche Weise an mein Tagebuch gekommen ist und es jetzt auf der Bühne vorliest.

6. August
Die NASA schickt für 2,5 Milliarden Euro ein ferngesteuertes Auto auf den Mars. Curiosity soll nach Leben auf dem roten Planeten suchen. Ich fänd es gar nicht so schlecht, wenn das klappt. Dann könnte ich der erste Marsanthrop sein. Das wär true.

9.- 11.8.
Bin auf dem Party.San. Eindeutig am ehesten mein Festival. Stehe mitsamt der Zweckgemeinschaft zwei volle Tage begeistert angepisst in der letzten Reihe und gucke böse, dann kriege ich vom Arme verschränken einen Krampfanfall. Außerdem ist unser Corpsepaint abgeplatzt.

17.8.
In den Nachrichten kommt die Meldung, das Pussy riot für ihr Punkgebet in einer Moskauer Kirche zu zwei Jahren Straflager veruteilt werden. Ich bin empört. Zwei Jahre Knast fürs Beten? Ich schreibe einen Protestbrief an Putin und ermuntere ihn zu lebenslänglich.

8.9.
Helfe aus Versehen einer alten Dame über die Strasse, streichele einen Beaglewelpen und lächele ein Baby an. Muss krank sein und fürchte um meine misanthropischen Kräfte. Lese zu Hause „Fifty shades of grey“ und die Biografie von Bettina Wulff. Nebenher lasse ich „Gangnam style“ laufen. „Hass tanken“, nenne ich das. Gehe wieder zurück in die Innenstadt. Verwuschele einer alten Dame die Haare, ohne das sie es merkt. Danach kacke ich auf den Gehsteig, schubse einen Pitbull in den Haufen und brülle ihn an, wie er das so findet. Pitbull versteht mich irgendwie nicht. Nach einem schnellen Sprint klaue ich noch einem Säugling seine iPhone – Lutscher – App. Schon besser.

31.10.

Wache schweißgebadet auf. Hatte einen Alptraum: Nuclear blast wird von Disney aufgekauft und Immortal treten deswegen fortan nur noch mit Micky Maus-Corpsepaint auf. Außerdem tanzen bei Konzerten brennende Teekannen über die Bühne und das „At the heart of winter“-Album wird als Musical in Hamburg aufgeführt.

14.12.
Lese, das die Hamburger Elbphilharmonie mit 575 Millionen Euro ein kleines bisschen teuerer wird, als geplant. Schreibe dem Hamburger Senat einen Brief. Schlage vor, die Treppengeländer mit echtsilbernen Totenschädeln zu verschönern und den Preis noch etwas weiter hochzutreiben auf 666 Millionen. Ist zwar Verschwendung. Aber true.

21.12.
HEUTE! HEUTE! HEUTE!

22.12.
MIST! MIST! MIST!

24.12.
Nur weil ich nicht an den Weihnachtsmann glaube, heißt das lange nicht, das ich keine Geschenke will. Beschließe dieses Jahr, auch Weihnachten zu feiern. Natürlich in true. Schraube einen Baumständer an die Zimmerdecke und befestige kopfüber eine Nord-ost-nordnorwegische Nordmanntanne darin. Darunter kommt noch die Nachbildung der Grippe von Bethlehem (Playmobilfigur mit Thermometer im Mund und Schal um den Hals) mitsamt Ochs- und Eselkadaver und den drei unheiligen Königen Abbath, Mørder und Gaahl. Schreibe dann noch einen Wunschzettel an das Antichristkind: Weltuntergang, Pest, Krieg, Satans Reich erhebe sich und eine Nintendo Wii mit Mariokart.

25.12.
So ein Mist. Nix bekommen, außer Socken von Muttern. Wenigstens sind sie schwarz. Und mit Pentragramm drauf. Denke schon fast, Mama wär true, dann erzählt sie, das es die Socken im Sonderangebot bei H&M gab. Satanismus und Menschenhasserei sind auch nicht mehr, was sie mal waren.

30.12.
Killcommander ruft an. Die Zweckgemeinschaft will an Silvester auf dem Friedhof ein bisschen feiern. Bier trinken, grillen und um Mitternacht ein paar Grabsteine sprengen. „Keine Lust auf so eine Scheiße“, sage ich und das ich gegen Acht komme. Und ich bring den Tomatensaft mit.

6 Kommentare zu “Der Black Metal – Jahresrückblick 2012

  1. Nie habe ich über meine eigene Jugend mehr Tränen gelacht. Ironische Selbstdistanz war selten so amüsant.
    Stay trve im Neuen Jahr! 😉

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