Communication breakdown/Poetry Slam

Darf ich vorstellen? Team KEIN & ADEL

Wer mein Tun und Machen aufmerksam und vor allem in den sozialen Netzwerken verfolgt, wird in letzter Zeit des öfteren bemerkt haben, das ich Auftritte meines Teams KEIN & ADEL angekündigt habe. Und vielleicht wurde deswegen hier und da mit Stirnen gerunzelt. Daher möchte ich euch KEIN & ADEL mal genauer vorstellen.
Zunächst mal etwas grundsätzliches. Wir sind primär ein Poetry slam – Team. Das allein sorgt schon manchmal für Verwirrung. Normalerweise stehen Slammer*Innen ja alleine am Mikro, es ist aber durchaus üblich, das man sich auch zu Teams zusammenfinden kann. Maximum sind dabei vier Personen, aber es ist inzwischen sehr selten geworden, das sich mehr als zwei zusammentun. Früher gab es mehr große Teams (Agrar Berlin, SMAAT, Tha boyz with tha girlz in tha back, und und und…), aber ich denke mal, das es inzwischen einfach praktischer ist, zu zweit zu arbeiten, weil die Poet*Innen heutzutage solo permanent touren (können), da ist es schwer, sich zum Schreiben und Proben zu treffen, während es in der Anfangsphase des deutschsprachigen Poetry slams nur wenige Veranstaltungen gab. Die ersten Teams firmierten in der Regel einfach unter dem Namen ihrer Heimatstadt (Team Hamburg, Team Tübingen, Team Wuppertal…), bis es üblich wurde sich „richtige“ Namen zu geben, in der Regel Wortspielereien, die selbst dem Besitzer eines Frisiersalons wie „Haarmonie“ oder „Hair force one“ nur ein mildes Lächeln und Kopfschütteln abringen würde.

Vorrunde Tagteamslam Weststadthalle Cafe März19 (1)

Heimliches Üben in aller Öffentlichkeit. pic: Antje Haupt

Theoretisch ist jeder Slam offen für Teams, manchmal scheitert es schlicht an einem zweiten Mikro oder Platz. Reine Teamslams sind selten und finden fast nur während der deutschsprachigen Meisterschaften statt, was auch immer wieder dazu führte, das es von Saison zu Saison starke Qualitätsschwankungen gab. Da wurden Texte in der Nacht vorm Finale im besoffenen Kopp notdürftig zusammengeschustert, weil man sonst nix in petto hatte. Wozu auch, wenn man nur zwei, drei Mal per anno als Team auftreten konnte? Natürlich gab es immer wieder auch brillante Auftritte und Gruppen, aber das Mittelmass überwog. Bisweilen schien es lächerlich einfach, sich für Meisterschaften zu qualifizieren, weswegen ich mir auf dem Heimweg von den „Nationals“ immer vorgenommen habe, bis zum nächsten Jahr eine Formation am Start zu haben, die alles wegpustet. Es gab stellenweise sogar Überlegungen, gar keinen Teamwettbewerb mehr im Rahmen der Meisterschaften zu veranstalten, so sehr viel diese Kategorie gegen den Einzelwettbewerb ab.
Aber inzwischen hat sich einiges getan und auch ich habe es endlich geschafft und habe mit Zwergriese KEIN & ADEL aus der Taufe gehoben. Das es über vierzehn Slamjahre gedauert hat, mich ernsthaft mit jemanden zusammen zu tun hat mehrere Gründe. Der wichtigste dürfte sein, das ich absolut kein Teamplayer bin. Da bricht sich das ostwestfälische Einzelkind Bahn. Und dann muss man natürlich jemanden finden, der oder die auf künstlerischer Ebene ähnlich tickt, sonst braucht man gar nicht erst anfangen. Zu meinen Bielefelder Zeiten hatte ich ein kurzzeitiges Team, aber auf mehr als (ich glaube) drei Auftritte haben wir es nicht gebracht.
Als ich nach Essen gezogen bin, habe ich mich schnell mit Marius aka Zwergriese angekumpelt, dessen Schicksal es ebenfalls war, aus Bielefeld zu stammen. Das war die gemeinsame Basis, ansonsten haben wir herzlich wenig gemeinsam. Wo ich schlonzig in Jeans und Bandshirt rumlaufe, kommt er wie ein englischer Dandy daher, wo ich mit Holzhammerhumor über die Bühne tobe spinnt er präzise ausformulierte Reimkonstrukte, wo ich mit meinem Textblatt rumwedele agiert er frei und mit theatralischem Gestus. Allen Unterschieden zum Trotz haben wir vor vier Jahren gemeinsam den Poetry slam KRAWALL + ZÄRTLICHKEIT gestartet und noch einen weiteren Unterschied entdeckt: Marius ist super im Organisieren, während ich der Chaot vor dem Herrn bin, dafür mache ich den Bühnenderwisch und scoute auf meinen Touren neue Poesietalente. Und was soll man sagen, die Zusammenarbeit funzt prima. Jeder hat seine Stärken und setzt sie ein.
Es war eigentlich nur eine Frage der Zeit, bis wir uns mal mit einem gemeinsamen Text versuchen und während wir rumprobierten änderte sich auch der Wind in der Slamszene. Nicht nur, das sich wieder eine Generation guter bis hochklassiger Teams gefunden hatte, die auch länger als eine Saison aktiv waren. Es wurden und werden auch immer mehr Teamveranstaltungen durchgeführt. Die meisten finden meist nur jährlich statt, aber immerhin ergeben sich so genug Gelegenheiten regelmäßig aufzutreten und an Performance und Texten zu feilen. Zudem rücken Teams in letzter Zeit auch wieder mehr in den Fokus der Veranstalter*Innen regulärer Slams, die sich nun aktiv um deren Booking bemühen.

Teamslam Weststadthalle Essen Mai2018 (40)

Auf dem Weg nach oben. Pic: Tobias „Fotowikinger“ Hartmann.

Also wagten Marius und meinereiner uns unter dem saublöden Namen „Badummtss“ das erste Mal als Team auf die Bühne und siehe da, niemand schwenkte Mistgabeln oder warf Tomaten oder Bierbecher. Bei einem Teamwettbewerb in Koblenz kam Marius dann zum Glück auf den deutlich geschmeidigeren Namen KEIN & ADEL und so heißen wir seitdem. Spannend finde ich die für mich neue Herangehensweise gemeinsam Texte zu erarbeiten und daran zu feilen. Und gerade da kommen unsere Gegensätze prima zum Tragen. So entstehen Texte, die keiner von uns beiden alleine so geschrieben hätte und die im Optimalfall auch nicht alleine performbar sind. Denn wozu ein Team, wenn man das Vorgetragene auch einzeln hätte darbieten können, ohne das einen Unterschied macht?
Noch stehen KEIN & ADEL am Anfang und alles ist sehr aufregend. Immerhin konnten wir uns letztes Jahr bereits für die deutschsprachigen Meisterschaften in Zürich qualifizieren und haben die erste Saison des deutschlandweit einzigen reinen Teamslams der Weststadtstory in Essen gewonnen (was mich zum Essener Stadtmeister 2018 Einzel UND Team macht. Nur mal so als Randinformation. Selbstbeweihräucherung Ende). Und auch 2019 stehen wir dort im Finale und werden versuchen unseren Titel zu verteidigen. Ob wir bei den deutschsprachigen Meisterschaften, dieses Jahr in Berlin, wieder dabei sind steht noch nicht fest, aber ich bin zuversichtlich.
Und vielleicht gibt es auch zeitnah mal einen Videomitschnitt für alle Lesefrösche, die nicht live dabei sein können.

Auf meinen üblichen Kanälen halte ich euch über KEIN & ADEL auf dem Laufenden. Wir haben Bock. Und hoffentlich habt ihr auch Bock auf uns.

Teamslam Weststadthalle Essen Mai2018 (41)

Bald auch in eurer Stadt. Pic: Tobias Hartmann

 

 

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