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Morgens übel

Stöhnend richtet er sich auf und stellt den ersten Fuß des Tages auf den Boden. „Scheiße noch eins“, begrüßt er den Tag und reibt sich die Stirn. Sein Kopf dröhnt, die Glieder schmerzen. Das trübe Licht eines Herbsttages dringt durch die Fenstervorhänge und obwohl die Sonne nur matt durch den diesigen Himmel scheint brennen ihre Strahlen wie Säure auf den Augäpfel. Er muss aufstoßen und ein Schwall Magensäure füllt seinen Mund. Schlagartig ist er hellwach und rennt zur Toilette. Er lässt sich auf die Knie fallen und hebt den Klodeckel, gerade noch rechtzeitig, bevor er sich schwallweise entleert. Sein Magen krampft schmerzhaft und erzeugt ein Gefühl der Elendigkeit in ihm. Die Anstrengung treibt ihm Tränen in die Augen. Er betätigt die Spülung. Das Rauschen erzeugt Harndrang und er kämpft sich hoch und setzt sich auf die Klobrille, einige versprengte Spritzer Erbrochenes auf ihrem Rand ignorierend. Als er fertig ist tritt er ans Waschbecken und schaufelt sich kaltes Wasser in das Gesicht bis es fast taub ist. Er stützt sich auf dem Becken ab und betrachtet sich im Spiegel. Es ist ein Bild des Jammers. Seine Augen sind blutunterlaufen und müde und von dunklen Ringen umkränzt. Das Gesicht ist eingefallen und zeigt Falten, die neu sind. Das Haar ist strähnig und klebt fettig an seiner Stirn. Die Lippen sind spröde und aufgesprungen. Er sieht an seinem nackten teigigen Körper hinunter und findet sich hässlich. Der anschwellende Bauch verdeckt die Sicht auf seinen Penis, soweit ist es schon gekommen. Sein Freund Achim hat Recht behalten. Die Schwangerschaft bekommt ihm nicht gut.

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