Lieblingslied der Woche

Lieblingslied der Woche: Mr Marcaille – It’s a lie

Ich weiß gar nicht ob ihr es wußtet, aber in der Zeit um die Jahrtausendwende herum war ich ziemlich radioaktiv. Nicht strahlungsmäßig, sondern Rundfunk. Genauer gesagt, beim Bielefelder Campusradio. Campusradios sind toll, weil man nicht gegenüber irgendwelchen Sponsoren und Werbekunden rumbitchen und den ewiggleichen akustischen Einheitsmampf untitledzur Belangweiligung des Publikums runterdudeln muss, sondern hier und da kräftigst auf die Kacke hauen darf. Täglich um 22h durfte es dann so richtig speziell werden. Da gab es Metal, Gothic, Detroit minimal house und hastdunichtgesehen. Moderiert wurde nicht, schön war es trotzdem. Ich selbst hatte eine Sendung namens „Unpop“, deren Prämisse ich bei der Programmplanung mit „Wenn ich Bock habe, spiele ich eine Stunde lang den Sound einer Waschmaschine.“ Es ging um die Grenzbereiche der Musik und wenn jemand genervt war: perfekt. Musik ist nicht nur Kommerz und Konsum, sie ist auch Kunst und Kunst muss manchmal wehtun. Kennt ihr diese sinnlosen Kurzintros auf Alben, die irgendwie eine Stimmung vorbeireiten sollen, aber meist nur aus Geräuschen bestehen? Eine Stunde lang kam eins nach dem anderen, es war herrlich. Wie Walgesänge nur mit Meeressäugern, die gerade in ein elektrisch geladenes Schleppnetz geraten sind. Es war die Stunde der wunderbar bekloppten und bescheuerten, die an die Grenzen der Musik gehen und manchmal mit einem kernigen „Leckt mich!“ drüber hüpfen. Erstaunlicherweise bekamen wir sehr viel positive Resonanz von unseren Hörern. Hätte ich damals Mr Marcaille schon gekannt, ich hätte ihm vermutlich eine ganze Sendung gewidmet. Der Typ sitzt konsequent nur in Unterbuxe auf der Bühne, schrebbelt auf einem elektrisch verzerrtem Cello, spielt dazu Kickdrum und „singt“, als hätte sich Kreators Mille grad auf den Daumen gehauen. Großes Tennis aus Brüssel.

Ein Musikvideo gibt es nicht (hätte mich auch gewundert), aber auf Soundcloud gibt es zwei Songs zu hören.

Bonusbonus! Ein Konzertmitschnitt in all seiner Pracht:

 

P.S. Aufmerksam auf Mr Marcaille wurde ich übrigens durch einen Post von Marcus, dem Thekenrauschebart aus Krefeld’s finest Metalkneipe Jules Papp.

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