Texte

Kleine Gemeinheiten #003: Verhörmethoden

Ich schlage ihn. Mitten ins Gesicht, wieder und wieder. Knochen bersten unter meinen Schlägen und Haut platzt auf. Er stöhnt bei jedem Schlag, aber seine Laute werden schwächer. Ich muss mich etwas zurückhalten, sonst stirbt er mir hier weg. So einfach will ich es ihm nicht machen. Ich breche keine Knochen, nur um dann mein Opfer in die sanfte Friedlichkeit des Todes zu entlassen. Folter ist die Kunst, Menschen möglichst lang am Leben zu erhalten, selbst wenn alle Umstände dagegen sprechen. Ich richte mich auf und betrachte mein Gegenüber. Dicke Fäden aus Speichel und Blut triefen aus seinem Mund, um seine Füße herum liegen Büschel ausgerissener Haare, seine Hände sind angeschwollen und verkrümmt. Jeder einzelne Finger ist gebrochen, ein paar der Nägel sind herausgerissen. Die übrig gebliebenen habe ich spaßeshalber pink lackiert, das ist mein ganz eigener Humor. Nimm ihnen die Gesundheit. Nimm ihnen ihre Würde. Nimm ihnen ihren Stolz und nimm ihnen die Männlichkeit.
Er versucht mich anzusehen, was ihm etwas schwer fällt mit seinen zugeschwollenen Augen. „Ich hab doch alles zugegeben“, nuschelt er verzweifelt. Sprechen fällt nicht so leicht mit angebrochenem Kiefer und einigen Zähnen weniger. Die zerstochene Zunge macht es nicht einfacher.
Ich schüttele den Kopf. „Das ist mir egal. Es geht ums Prinzip. Deine Schuld stand für mich sowieso außer Frage. Dafür brauche ich keine Folter. Hier geht es nicht darum, dir irgendwas zu entlocken. Es geht um Bestrafung. Darum, das du kapierst, was du falsch gemacht hast.“
Er windet sich auf seinem Stuhl, die Fesseln schneiden ihm ins Fleisch. „Bitte, es tut mir leid, wirklich leid“, greint er und bricht einmal mehr in Tränen aus. Das salzige Wasser aus seinen Augen muss höllisch in seinen Gesichtswunden brennen.
„Ich sollte dir einen Hoden abschneiden“, sage ich trocken. Er kneift die Beine zusammen und schluchzt. „Nicht auch noch den anderen“, schluchzt er.
Ich seufze genervt und wende mich meinem Werkzeugtisch zu. Ich stehe mit dem Rücken zu ihm. Selbst wenn er klar sehen könnte, würde er nur das Klappern auf der metallenen Tischfläche hören, wenn ich ein Werkzeug nach dem anderen in die Hand nehme, kurz betrachte und dann wieder zurücklege. Dieses Geräusch macht meinen Opfern manchmal mehr Panik, als wenn ich ihnen mit einer Lötlampe die Fußsohlen verbrenne. Ich entscheide mich für eine lange Kneifzange, die so scharf ist, das man damit problemlos dicke Stahlkabel durchtrennen kann und drehe mich wieder zu ihm um. Ein, zwei Mal lasse ich die Zange auf- und zuschnappen und nähere mich ihm. Er verfällt ihn Hyperventilation und versucht panisch irgendwie nach hinten auszuweichen, aber er hat keine Chance. Der Stuhl ist stabil und fest am Boden verankert. Ich bleibe vor ihm stehen. Der Geruch von Blut und Angstschweiß vermischt sich mit dem von Urin und Kot. Ein gutes Aroma, finde ich.
Langsam beuge ich mich zu ihm herunter, komme mit meinem Gesicht ganz nah an seins, immer die Zange zwischen uns. „Hier trennen sich unsere Wege“, sage ich mit Grabesstimme.
Er wird von Weinkrämpfen durchgeschüttelt und atmet heftig. Am Ende schreien die wenigsten. Kaum einer bettelt. Sie geben alle einfach auf.
Ich bücke mich und in einer schnellen Bewegung zerschneide ich die Fesseln aus Kabelbinder.
„Was…?“ Fassungslos sieht er hinunter und bewegt seine Glieder als wäre es das erste Mal, unsicher und ungläubig.
Ich beachte ihn nicht weiter. Statt dessen reiße ich unvermittelt die Hintertür auf. Gleißendes Licht erfüllt den bisher dunklen Raum. Er hält sich eine zitternde Hand schützend vor die Augen. Ich zeige durch die Tür nach draußen. „Verpiss dich“, herrsche ich ihn an.
Sein Gesicht verrät Unglauben, dann richtet er sich stöhend auf. Zögernd sieht er zu der Tür, dann zu mir, dann wieder zu der Tür, hinter der die grelle Verheißung von Freiheit blendet.
„Los jetzt“, sage ich. „Bevor ich es mir anders überlege.“
Er nickt stumm und torkelt an mir vorbei. Ich sehe ihm nach, wie er davontorkelt über den Asphalt des Parkplatzes, blutend, humpelnd und gebrochen. Ich lasse meine Finger über die Brusttasche meines Kittels gleiten, in der ich einige seiner Zähne deponiert habe, aus der ich eine kleine morbide Figur zur Erinnerung basteln werde. Ich brauche meine Souvenirs. Manche mögen meine Methoden brutal, unmenschlich, vielleicht sogar bestialisch nennen. Aber wenn ich ihn mir so anschaue, wie er von dannen schleicht ist eins mal sicher: der Wichser wird nie wieder versuchen, Socken in meinem Supermarkt zu klauen.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s