Texte

Das ist mein Land

Das ist mein Land, ich bin hier Chef.
Ich habe hier das Sagen und das Summen und das Schweigen. Es ist nicht besonders groß, ein Quadrat mit gerade mal etwa 25, 81 Kilometern Seitenlänge, eine Größe, die mein Verständnis von Humor wiederspiegelt. Es leben auch nicht sehr viele Menschen in meinem Reich, es sind gerade mal siebzehn Personen. Ich bin ein wenig menschscheu und mag es übersichtlich.
Da ist Janko, mein Stellvertretender Staatschef. Er ist seit einem Schlaganfall gelähmt, kann sich nicht mehr mit der Außenwelt verständigen und muss intravenös ernährt werden. Er ist der perfekte Stellvertreter, der mir wohl nie Ärger mit einem Putsch oder solchen Mätzchen machen wird.
Karl ist der Bildungsminister. Er leitet das Waisenheim, den Kindergarten und die Schule, was aber nicht weiter schwer ist, weil es in meinem Land keine Kinder gibt. Ich mag Kinder nicht, außerdem habe ich immer Angst, einmal über eines zu stolpern und mir bei dem Sturz die Hände zu brechen, auf deren bisherige Unversehrtheit ich mit Recht sehr stolz bin. Ich habe recht schöne Hände, die aber trotzdem Männchlichkeit ausstrahlen. Ach, hätte ich doch mal Klavierspielen gelernt.
Stefan und Kevin sind Brüder und sehr dick, darum sind sie unsere Armee und Verteidigungsminister. Sie spielen den ganzen Tag zu meiner persönlichen Belustigung Ganzkörper-Schiffe-versenken in meinem mit Fanta befülltem Swimmingpool.
Bernd ist der Agrarminister. Sein Hof versorgt uns mit allem wichtigen und manchmal spiele ich in seiner Scheune mit meinem Volk Verstecken im Heu. Ich bin ein munterer Herrscher.
Kai-Uwe ist Außen- und Bierminister. Er ist mein Lieblingsminister und Wirt des „Leckmichkettenfett“ der einzigen Kneipe des Landes, die gleichzeitig meinen Regierungssitz darstellt. Mein Tisch ist der über dem unsere Nationalflagge hängt: schwarzes Pentagramm auf schwarzem Grund.
Weber ist Kultusminister und kümmert sich um den Download von Musik, Filmen, Serien und betreut die staatseigene Internetpornoseite.
Zecken-Andy ist Punkminister und kümmert sich einen Scheißdreck um irgendwas. Meistens findet man ihn auf dem Gehweg vorm „Leckmichkettenfett“. Vorsicht, er kotzt gerne.
Weiterhin gibt es Tina, Kathi, Lisbeth, Anja, Lisa-Ann, Masha, Stephanie, Sue, Kittie, Ming und Beata, die allesamt in irgendwelchen Ländern irgendwelche Modelcastingshows gewonnen haben und meine Ehefrauen sind. Ein paar von ihnen darf ich sogar duzen und auf den Mund küssen.
Mein Land heißt Rudolf, denn heute ist Montag und Montags heißt es Rudolf. Dienstags Gabrielle, Mittwochs Günther, Donnerstags Anna-Lousie-Gerlinde, Freitags Max, Samstags Bettina und Sonntags Superdominator Hexameter.
Rudolf ist ein schönes Land, aber natürlich haben auch wir unsere kleinen und großen Probleme und wenn ich darüber nachdenke setze ich mir gerne meine Perücke mit den grauen Haaren auf und gucke merkelig. Wir haben zum Beispiel sehr viele Mücken und Fliegen, seit ich Spinnen per Dekret zu illegalem Zeugs erklärt habe. Sommers summt und brummt es permanent und meine Untertanen sehen aus wie blutig gekratzter Streuselkuchen mit Brombeermarmeladefüllung. Ich solle doch wieder Spinnen legalisieren, heulen sie dann rum und ich sag, Nee, ich liebe die Natur, aber acht Beine sind nicht natürlich, dass hat sich irgendein Sadist bei Apple oder Pocco ausgedacht. Natur muss man streicheln können. Gut, Mücken kann man auch nicht streicheln, aber ist egal, ich bin der Herrscher, ich hab immer recht, Ende der Diskussion. Mücken doof, Spinnen noch tausend mal viel dooferer. So ist das. Steht sogar in unserem Grunzgesetz. Wer bei uns jemanden vor Gericht bringt muss man die Anklage grunzen, deswegen Grunzgesetz. Das ist vielleicht nicht besonders praktisch, aber amüsiert mich immer wieder aufs neue. Dadurch haben wir praktisch keine Gerichtsverfahren, weil sich alle sonst furchtbar dumm vorkommen. Saublöd sozusagen. Ein Problem weniger. Dafür kommen neuerdings Flüchtlinge. So Typen mit ihren Familien, die kaum Deutsch sprechen und vor diesen lachhaften Problemen in ihrer Heimat davonrennen. So ein Pack. Die meisten sind Nazis aus Sachsen-Anhalt oder Thüringen, manche sind auch Faschos aus Mecklenburg-Vorpommern oder Dortmund. Furchtbare Menschen mit furchtbaren Frisuren. Asyl kriegen die bei uns nicht, wir verhauen sie nur mit Gebetsteppichen und koscherem Schinken und schicken sie dann nach Sibirien. Das hat man davon, wenn mit Deutschland eine gemeinsame Grenze hat. Und mit Kanada. Und Neuseeland und Kenia. Das klingt unmöglich, aber das kommt, weil wir auch ein eigenes Wurmloch haben. Es heißt Wurmi und wir füttern es mit Äpfeln, weil Würmer Äpfel voll hart feiern. Dank Wurmi brummt trotz unserer geringen Landesgröße der Export. Wir exportieren gute Ratschläge und schlechte Wortspiele, die ich am laufenden Band selbst produziere. Z.B. „Geschlechtsverkehr mit Eisbären und Pinguinen – Ein Thema das polarisiert“ oder „Tragen Internetpolizisten eigentlich googlesichere Westen?“ oder „Wahre Freunde sie wie seltene Kolibris: Wenn man sie anzündet gehen sie tot“. A propos Religion, die ist in meinem Land tabu. Ich hab nix dagegen, wenn Menschen an Gott, Allah, Odin oder Gandalf den Grauen glauben, aber in meinem Land möchte ich das nicht, damit hat man nur Ärger. Allerdings glaube ich an ein Leben nach dem Tod meinerseits. In der Wortspielhölle.
Kommen sie uns besuchen, wir haben reichhaltige touristische Angebote. Es gibt in Rudolf zwar keine Seen oder einen Meeresstrand, aber wir haben vierundzwanzig Badewannen aufgebaut, in denen man in Wasser planschen kann, dass wir weltweit gesammelt haben. Da kann man vom Indischen Ozean direkt in den Bodensee hopsen, das ist doch was. Ebenfalls empfiehlt sich eine Klettertour. Die höchste Erhebung in Rudolf ist zwar nur das Dach vom „Leckmichkettenfett“, aber wir haben diesen Umstand kompensiert in dem wir das „Horizontal extreme climbing“ erfunden haben, besser bekannt als „Über den Boden krabbeln“. Dieser krasse Sport ist bei uns sehr beliebt und wir können uns rühmen, dass es bis auf eine klitzekleine Hodenfraktur noch nie zu ernsten Unfällen gekommen ist. Red bull hat schon Interesse bekundet, die ersten Meisterschaften nicht zu sponsoren. Wir haben leider keine historischen Gebäude, da Rudolf erst auf eine etwa neunwöchige Geschichte zurückblicken kann und das Opernhaus ist auch nicht fertig, aber der Architekt hat versprochen, dass er damit weitermacht, sobald er die Elbphilharmonie in Hamburg fertiggestellt hat. Es sollte also ganz bestimmt noch dieses Jahr eröffenen, da glaube ich ganz fest dran. Einstweilen kann man sich von Zecken-Andy die erfrischende und erbauende Geschichte erzählen lassen, wie er mal Blixa Bargeld auf den Schoß gekotzt hat. Rudolf ist eine Reise wert, also besuchen sie uns. Sonst erklären wir ihrem Land den Krieg. Und wir mögen zwar klein sein, aber wir haben ein Wurmloch und wir sind bereit es zu benutzen. In diesem Sinne möchte ich schließen mit unserer allseits beliebten Nationalhymne: „Humba humba humba tätärä, tätärä.“

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