Texte

Erstens

1.Deine Mudder..
2. Dein Vadder
3. Dann du
4. Vielleicht einen kleinen Bruder oder eine kleine Schwester. Vielleicht bist du auch selber Viertens.
5. Die Brüste deiner Mutter, die Stimme deines Vaters, erste Schritte, erste Worte, das erste Mal „Nein“ hören. Und verstehen. Tröste dich: es kommen noch viele Neins mehr. Sehr viele. Sehr, sehr viele.
6. Kindergarten und dort lernst du deine ersten Freunde kennen und du lernst
1. das auch Freunde dich enttäuschen und dir dein Spielzeug wegnehmen können
2. das dir bisher völlig fremde Menschen plötzlich Befehle erteilen, denen du dich beugen musst
3. man nicht jeden Kuchen essen sollte, vor allem wenn er im Sandkasten „gebacken“ wurde. Und erst recht nicht, wenn Patrick-Noel aus der Sonnenblumengruppe sich tags zuvor in eben jenen Sandkasten übergeben hat.
7. Du entwickelst Werte und Ideale, die vielleicht nicht unbedingt deine eigenen sind, aber dich für den Rest deines Lebens begleiten werden, zum Beispiel
1. was für dich Recht und Unrecht, Gut oder Böse ist
2. ob du ein Arschloch sein oder es dir lieber schwer machen willst
3. ob du nach dem Kacken beim Arsch abwischen das Klopapier von unten nach oben oder von oben nach unten durch die Kimme ziehst
8. Sandra. Oh, Sandra, diese erste große Liebe. Oder Kevin. Oder Mandy. Oder Justin. Oder Katja, die mit dem unheimlich süßen Lächeln, aber die ist leider viel zu alt, die geht ja schon in die dritte Klasse. Oder Patrick, der ist so stark, wie der die anderen Jungs immer verkloppt, das ist schon toll. Der ist sogar schon auf youtube zu sehen, vier Sterne Durschschnittsbewertung. Oder Irina. Oder Noel. Oder Julia. Nur nicht Jürgen. Niemand verknallt sich in einen Jürgen. Zumindest nicht in der Grundschule.
9. Krankenhaus. Das erste Mal. Totale Langeweile, Schmerzen, Jucken und wieder was gelernt:
1 .Du bist eine Niete im Auf-Bäume-Klettern.
2. Es gehört nicht zu den besten Ideen, nachdem man vom Ast abgerutscht ist, instinktiv die Körperhaltung anzunehmen, die man aus dem Schwimmbad vom Arschbombensprung kennt.
3. Es ist für beide Seite eher unangenehm sich einen Beckengips von den Klassenkameraden unterschreiben zu lassen.
4. Den Sommer in der Wohnung verbringen zu müssen kann einen jeglichen sozialen Status versauen. Aber du verfügst danach immerhin über ein unschlagbares Fachwissen über Fernsehserien und hast ein Modell des Kölner Doms aus Streichhölzern.
10. Das erste Mal. Sex. So richtig mit allem Drum und Dran. Nackig, feucht, klebrig. Und schon ziemlich geil. Und
1. hinterher dieses Gefühl, das du jetzt ne Kippe gebrauchen könntest. Vielleicht solltest du endlich mit dem Rauchen anfangen.
2. hinterher dieses Gefühl, das du dir zwar völlig sicher warst, das du in Sexualkunde und bei eurem extrem langweiligen Ausflug zu Pro familia alles wichtige mitbekommen hast, aber jetzt nicht so richtig auf deine Kompetenz in Sachen Verhütungsmittel vertraust.
3. Ogottogott, alles, nur nicht schwanger. Bitte nicht schwanger.
4. Test sagt: Nicht schwanger. YEAH! Super. Gott sei Dank. Das muss gefeiert werden. Komm, lass uns bumsen.
11. Du wirst 18. Und du fragst dich
1. was jetzt kommt.
2. ob das jetzt rechts vor links oder links vor Rechts war und wie du deinen Eltern das Geld für den zweiten Anlauf in der Führerscheinprüfung aus den Rippen leierst.
3. wer die ganzen Leute auf deiner Party sind, die du nicht eingeladen hast und die gerade den guten Cognac deines Vaters und das 4711 Kölnisch Wasser deiner Mutter leer saufen.
4. Was das komische blaue ist, das du gerade ausgekotzt hast.
12. Job oder Studium?
13 a. Irgendwann dann so oder so Job. Und du stellst fest: all die Arschlochkinder, Drangsalierer, Petzen, Besserwisser, Arschkriecher, Schläger und wer dir sonst noch in der Schulzeit das Leben zur Hölle gemacht hat und von denen du so froh warst, sie nie wieder zu sehen haben jetzt auch einen Job. Und sie sind alle bei dir in der Firma. Und sie haben dich nicht vergessen.
ODER:
13 b. Doch kein Job. Und du stellst fest: all die Arschlochkinder, Drangsalierer, Petzen, Besserwisser, Arschkriecher, Schläger und wer dir sonst noch in der Schulzeit das Leben zur Hölle gemacht hat und von denen du so froh warst, sie nie wieder zu sehen, haben einen Job gefunden. Sie sitzen in den Büros deines Arbeitsamtes, sie entscheiden über dich, über dein Geld und deine Zukunft. Und sie haben dich nicht vergessen.
14. Das Erwachsenenleben hast du dir ganz anders vorgestellt.
15. Du wirst dreißig Jahre alt. Und du fragst dich:
1. WARUUUM?
2. Warum ich? Was habe ich getan?
3. War’s das jetzt Geht es jetzt nur noch bergab?
4. Wer sind all diese Erwachsenen auf meiner Party?
16. Und all die Familienplanung.
1. Warum zieht man in eine große Wohnung oder gar ein eigenes Haus, wenn man dann weniger Platz als vorher hat.
2. Das mit dem Heiraten sind bei anderen immer irgendwie toller aus. Und billiger. Und von denen hat doch bestimmt keiner in der Hochzeitsnacht das brandneue Ehebett vollgekotzt.
3. Müssen Kinder so knautschig sein? Und laut? Und woher kommen all diese stinkenden Flüssigkeiten? Und wo lernen die das mit den Widerworten so verdammt schnell? Du kannst dich zwar nur noch vage erinnern, aber du bist völlig überzeugt, das du als Kind ziemlich einsame Spitze warst.
17. Du kaufst dir einen Anzug nur für Beerdigungen. Die Party ist vorbei.
18. Du wirst 40 und du fragst dich
1. Was soll’s? Drauf geschissen.
2. Warum ist keiner auf meine Party gekommen? Ich hab extra gekocht.
19. Wer ist der halbnackte pubertäre Neandertaler an meinem Frühstückstisch? Und was will der von meiner Tochter? Und warum fängt mein Sohn an hysterisch zu lachen, als ich ihm abends eine Dose hinstelle und sage, das wir jetzt mal reden und er sein erstes Bier von mir bekommt?
20. Das Haus ist auf einmal so ruhig. Und groß. Und leer.
21. Du wirst fünfzig. Und du fragst dich:
1. War’s das dann jetzt?
2. Wo kommen auf einmal die ganzen Gäste her? Aus welchen Löchern kamen die denn gekrochen?
3. Warum ist mein Erbrochenes so verschwommen?
4.Wann habe ich angefangen Kotze Erbrochenes zu nennen?
22. Sie reichen dir die Hand und das war’s dann mit dem Job. Danke schön, räumen sie bitte bis Mittag ihren Arbeitsplatz frei.
23. Du bist wieder Single. Aber so wolltest du das nicht. Eigentlich hattest du doch darauf gewettet, da du zuerst gehst.
24. Du wirst 70 und du fragst dich:
1. Wie lange noch?
2. Wieviele Gäste vom vorigen Jahr kommen wohl diesmal wieder und wie viele sind tot?
25. Ein Zimmer, das nicht deins ist. Jeder hier schleicht und spricht leise. Als ob man schon tot wäre und nur noch ein bisschen zuckt. Aus Gewohnheit.
26. Tod.
27. Schwarz.
28. Du öffnest die Augen. Du fühlst dich sehr sehr klein, du hast Flügel und einen Stachel. Vor dir steht eine Biene, die dir mitteilt, das du jetzt eine Arbeiterin bist. Mach dich sauber und fang an. Und du denkst
1. Scheiß Reinkarnation. Und
2. Bsssss…..

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