Gedankenstrom

Herr Weber auf Safari – So eine Art Rezension

Als ich mal wieder an den Ufern der Weser saß, einen feinen Whiskey in meiner Elfenbein-Bong rauchte und darauf wartete, dass endlich die Leichen meiner Feinde vorbeitreiben, wurde mir fürchterbar langweilig. „Literatur, herr-weber-auf-safariman reiche mir Literatur zur Belebung meines darbenden Geistes!“, rief ich.

Literatur war gerade nicht zur Hand, aber Andreas schlug mich mit seinem neuesten Buch auf den Kopf und flötete zärtlich: „Lies das, wenn du dich traust, du Weichkacker.“
Herr Weber auf Safari“ heißt das Werk und da kann ich ja nur lachen, bevor ich auch nur die Umschlagseite aufgebogen habe.

Auf dem Cover liegt der feine Herr Weber auf der Treppe herum. So kenn ich das. Wenn der auf Safari gehen müsste, entfleuchte ihm nur ein Seufzen, wie er denn in Busch und Dschungel an seinen heißgeliebten Lavendel-Chai latte-Kakao kommen sollte, ohne den er keinen Tag zurecht kommt. Jedes Mal, wenn er das Haus verlässt, füllt er sich ein bis zwei Liter dieses Getränks in seinen Hipster-Jute-Beutel. So sind sie, die Münsteraner. Immer hip, immer schick, immer einen Liter Kakao in der Jutetasche.
Nein, Herr Weber bleibt zu Hause in seiner westfälischen Residenz.  Wenn er nicht gerade durch den Südflügel seiner 2-Zimmer-Wohnung flaniert und Wombats das Sprechen beibringt, liegt er kopfüber auf Treppen rum. „So steigt das Blut ins Hirn“, behauptet er. Ich glaube eher, dass es ihn irgendwie sexuell erregt, wenn kantige Stufen sich an seinen Körper pressen. So liegt dann rum, während ihm langsam Speichel aus den Mundwinkeln rinnt und einen kleinen See um seinen Kopf bildet und er diktiert seinem schwedischen Eunuchen-Sklaven seine Sicht der Dinge. Den Schweden hat er bei Ikea gekauft, wie man das so macht als Lesebühnenautor, irgendwas muss man da immer bei Ikea kaufen. Er heißt Mississippi, denn obwohl Schwede, hat der Eunuch indianische Vorfahren. Andreas stört das nicht, denn er hat keine Vorurteile gegenüber den ganzen Ausländern, die den Deutschen ihre Arbeitsplätze wegnehmen. Er hat sich gefreut einen Sklaven ohne Genitalien zu bekommen, die würden nur von seinem eigenen Gemächt ablenken, auf das Herr Weber sehr gerne und sehr oft und mit aufrichtig empfunden Besitzerstolz zu sprechen kommt. Bud Spencer und Terence Hill, Bonnie und Clyde, Calvin und Hobbes, Herr Weber und sein Penis, dass sind die großen Duos der Weltgeschichte. Ja, er ist ein Penisträger mit Leib und Seele, zumindest erzählt er das, wenn er auf der Treppe in seinem Sabbersee liegt und dem Eunuchen Geschichten aus seinem Leben in die Adler-Schreibmaschine diktiert.

Auf Safari geht er, heißt es da. Aber weiter als bis zum Münsteraner Zoo ist der Kung Fu-Fighter eigentlich noch nie gekommen. Er berichtet nicht vom Abknallen wehrloser Elefanten und der stoppeligen Steppe Afrikas. Er beobachtet lieber westfälisches Getier, vor allem die Bestie Mensch. Da muss man für eine Safari manchmal nicht mal die heimische Badewanne verlassen. Die Tiere werden vom Wasser angezogen. Und von Herrn Webers Glied, das darin dümpelt und sich windet und auf Beute lauert. Oder man legt sich einfach auf eine Treppe und wartet, was die bräsigen Mitmenschen wieder für einen Unsinn verzapfen.

Nur manchmal am späten Abend, nach der dritten oder vierten Flasche Sherry, da packt es Herrn Weber. Er streift sich ein Küchentuch als Cape über und wacht als Superheld über seine Heimatstadt Münster und spielt mit Mädchen „Zeig mir deins, ich zeig dir meins.“
Davon berichtet Herr Weber, wenn er auf der Treppe liegt, Leute beobachtet und über seine zahlreichen karitativen Projekte sinniert. Er engagiert sich als Streetworker, um gefallene FDP-Politiker wieder in die Gesellschaft zu integrieren und häkelt Strickleitern für Strafgefangene. Herr Weber kennt die Welt. Vor allem die Welt Westfalens. Und er macht was, damit die Welt ein besserer Ort wird. Er ist einer der die Ärmel hochkrempelt. Dann können nämlich alle seine tollen Armmuskeln betrachten und freudig in Ohnmacht fallen.
Herr Weber hat ein Buch geschrieben. „Herr Weber auf Safari“ heißt es. Kaufen sie dieses Buch, denn man hat Herrn Webers Worte auf hochwertiges Papier gedruckt.

Es schmeckt wie Hühnchen.

 

Andreas Weber, Herr Weber auf Safari | Taschenbuch | 160 s. | 9,99 € | ISBN: 978-3-942920-28-5 | Veröffentlichungsdatum: 01.11.2013

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