Jungsmusik/Texte

JUNGSMUSIK: Jon Schaffer, ein amerikanischer Held, was er verspricht

pic: (c) Florian Stangel / metal-fotos.de

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Er ist Metalbruder im Geiste von Ted Nugent und Dave Mustaine, er kann es an Brummigkeit mit Warzengött Lemmy aufnehmen und seine Platten sind von einer sympathisch sturen Qualitätsbeständigkeit, die Manowar die Schamesröte in die Pommesgabel treiben sollte. Dennoch ist Jon Schaffer den meisten Leuten irgendwie… na ja… scheißegal. Um das zu ändern will ich euch den Iced earth-Fronter mal etwas näher bringen. Begleiten wir ihn einen Tag lang.

„Heilige Dämonenscheiße“, ächzt Jon und erhebt sich unter Ächzen und Stöhnen und Knochenknacken. Das Leben jenseits der Vierzig ist auch kein leichtes. Mit müden Knochen wälzt er sich aus seiner Rebellenflaggen-Bettwäsche, schlurft in die Küche und gönnt sich einen fair gehandelten Kaffee, angebaut von Amerikanern für Amerikaner oder so ähnlich. Er geht in seinen Garten und hisst die amerikanische Flagge, salutiert ein bisschen und betrachtet dann den Sonnenaufgang. „Ah ja“, denkt er sich. „Es geht doch nichts über ein ordentlichens Sunburst-Finish.“ Er huscht ins Haus, holt seine Les Paul und zockt eine vierzehnminütige Version der amerikanischen Nationalhymne. Auf der hohen E-Seite schlägt er dabei durchaus kritische Untertöne an.

Danach schmeißt er sich fürs Frühstück eine halbe Kuh auf den Grill und liest im Internet die Nachrichten. Nur Kriege und Krisen vermelden die Nachrichtenagenturen und Jon regt sich ziemlich über die ganze Scheiße auf, die da abgeht.

Anschließend checkt er das Gästebuch der Iced earth-Homepage. Ein User findet das neue Album „nicht so gut“. Jon dreht durch und erschießt seinen Computer. Dann holt er seinen Laptop, ermittelt die Adresse des blasphemischen User und schickt ihm einen Briefumschlag mit Anthrax. Was islamistische Terroristen können, kann er schon lange. Außerdem legt er noch ein Album von Anthrax mit bei. Es soll keiner behaupten er hätte keinen Sinn für Ironie.

Ein weiterer User findet Iced earth generell scheiße. Jon schickt ein Paket.

Es wird Zeit, sich um den Lebensunterhalt zu kümmern. Jon geht die Aufnahmen der letzten Bandprobe durch. Stu Block singt wie ein junger Gott. Jon wird ihn wohl bald rausschmeißen müssen. Er seufzt.

Ein Klingeln seines Handys erinnert ihn daran, dass er los muss. Er hilft beim Apfelkuchenverkauf der Veteranenwitwen. Eine der Damen bietet ihm einen Klappstuhl an, was Jon doch ein bisschen beleidigt. Na gut, die Schwerkraft setzt ihm immer mehr zu und sein Haar und Bart sind schon so weit ergraut, das er in seiner Reenactment-Gruppe jetzt immer als General Lee besetzt wird. Trotzdem irritiert es ihn, wenn ihm eine Siebzigjährige ihren Stuhl anbietet.

Er setzt sich.

Nach dem Kuchenbasar wird es Zeit für ihn zur Schule seiner Tochter zu gehen. Dort ist „Career day“ und Mütter und Väter der Schüler sollen von ihren Jobs erzählen.

Interessiert hören die Kleinen den Ausführungen von Jon zu, als er über das Leben auf Tour berichtet („Kein Kacken im Tourbus“), dass man als Sänger schnell arbeitslos werden kann, als Bassist sowieso nie ernst genommen wird, aber Gitarristen alle Weiber kriegen und wie er sich durch Headbangen den Nacken versaut hat („Das ist true, ihr kleinen Pussys!“). Dann spielt er als kleine Kostprobe eine extended version seines „Gettysburg“-Songs.

Nach ihm erzählen ein Bestatter, ein Müllmann und eine Prostituierte von ihrem Arbeitsalltag und Jons Tochter beugt sich zu ihm rüber und fragt, warum er denn nicht auch so einen normalen Job haben kann, für den sie sich nicht fremdschämen muss.

Da ist Jon ein bisschen traurig und komponiert eine Powerballade.

Zuhause setzt er sich in seine Kummerecke und telefoniert mit seinem deutschen Freund.

„They are all so mean to me, Hansi.“

„Oh, I know, Jon. They always make fun about my new Frisur. Don’t give a hobbit’s fart about them.“

„You are right.“

„I send you a case of german beer. It’s what we call a Trostkoffer. That will cheer you up.“

„Thanks, brother. I love you, man.“

„Love you too, brother.“

„No, Hansi, I mean, I LOVE you.“

„Hö…“

„I wanna kiss your beautiful lips.“

„Igitt, I mean, ähm, oookay. See you in Wacken or at the Oktoberfest.“

„Okay. Kiss, kiss.“

„Örks… Yeah. Bye.“

Danach setzt sich Jon in sein Arbeitszimmer, sortiert seine Sammlung von Spawn-Comics und schreibt ein, zwei Pamphlete, bevor er sich zwei Känguruhs mit Spiegelei zum Abendessen gönnt.

Dann schaut er noch einen John Wayne-Film und geht ins Bett und schläft selig ein.

Jon Schaffer lächelt im Schlaf. Er träumt einen amerikanischen Traum.

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