Der kleine Sonntagskrimi/Texte/Uncategorized

Der kleine Sonntagskrimi #24 (Total krasses Staffelfinale mit unerwarteter Wendung der Ereignisse)

Ein Gastbeitrag von Jan Philipp Zymny.

Was bisher geschah: Nach vielen Kriminalfällen, geschätzt 22 an der Zahl, bekamen es Kommissar K. und sein Assistent H. es mit einem Serienkiller zu tun, der Naturwissenschaftler meuchelt. Der Übeltyp nannte sich Nemesis und es gelang ihm, K. zu entwischen. Der Kommissar schwor nicht zu ruhen, ehe er Nemesis hinter Gittern gebracht hätte. Dann fiel ein Schuß.

Die folgenden Ereignisse finden zwischen 22 Uhr und etwas später statt und haben mit all dem nichts zu tun.
krimi marlowe

Verschlafen schlurfte Kommissar K durch den Flur. Es war mitten in der Nacht und er war nochmal
aufgestanden, um einen kleinen Mitternachtsimbiss zu sich zu nehmen. Eine Banane, einen Schluck
Nutella oder einen Keks – irgendwas! Wobei … ein Keks war jetzt genau das richtige.
In der Küche angekommen, rutschte K fast auf einem geschlechtsunspezifischen Spielzeug aus, das
sein Kind K Junior. dort liegen gelassen hatte. „Potzsakrablitzherrschaftsmariasohngottesnochmal“,
fluchte der Kommissar leise, um seine Frau F nicht zu wecken. Sie fand es nicht gut, wenn er so
spät noch aß.
Schulterzuckend griff K nach der Keksdose auf dem obersten Regal. Sie hatten sie dort hinauf
schaffen müssen, damit K Junior sie nicht erreichen konnte. Dieses Kind würde sich nur von
Keksen und Fernsehen ernähren, wenn man es ließe, dachte der Kommissar und öffnete den
Gebäckkontainer … leer! Da hatte doch tatsächlich jemand den Keks aus der Dose geklaut! Die
Frage war nur: Wer? Das klang nach einem neuen Fall für den Kommissar K!
Fachmännisch machte er sich daran Fenster und Türen nach Einbruchspuren abzusuchen. Er prüfte
die Rahmen, Scharniere und Schließmechanismen und fand doch nichts. Alles war ordnungsgemäß
verriegelt. Das konnte nur eines bedeuten … Der Keksdieb kam von innen und nicht von außen!
Das schränkte den Kreis der Verdächtigen ein, denn es blieben nur drei Lebewesen übrig: Sein
Hund H, das Kind K Junior und seine eigene Frau F! Diese Erkenntnis schmerzte den Kommissar.
Der Keksnapper kam aus seiner eigenen Dienststelle … sozusagen. Kriminelle Energie in seinen
eigenen vier Wänden! Enttäuscht schleppte K sich in sein Arbeitszimmer, ließ sich in seinen Sessel
fallen und holte eine Flasche Whiskey aus seinem Schreibtisch.
Was sollte er tun? Warum spielte ihm das Schicksal so übel mit und Zwang ihn sich zwischen seiner
Familie und seiner Pflicht zu entscheiden? Sollte in diesem Fall der Gerechtigkeit wirklich genüge
getan werden?
Wenig später wankte der Kommissar K auf den Flur und knipste das Licht an. Plötzlich fiel ihm
etwas ins Auge, das ihm im Dunkel der Nacht bislang verborgen geblieben war. Eine feine Spur aus
Krümeln zog sich den Flur entlang. K holte seine Lupe heraus und folgte ihr. Die Vergrößerung
zeigte es deutlich. Das waren die anklagenden Krumen eines Kekses! Fieberhaft verfolgte er die
Spur bis sie sich vor der Zimmertüre von K Junior verlief. K taumelte zurück. Sein eigenes Kind!
Langsam öffnete er die Tür und betrat das Kinderzimmer. Sein eigen Fleisch und Blut war ein
Keksnapper, ein gemeiner Krimineller. Er konnte es nicht fassen und doch musste für Gerechtigkeit
gesorgt werden. Ein schmutziger Job, aber einer musste ihn ja machen.
Mit einem Klicken schlossen sich die Handschellen um die kleinen Handgelenke. K Junior
erwachte, blinzelte und schaute den Vater verwirrt an.
„Was tust du da?“, fragte eine Frauenstimme von hinten. K wirbelte herum. Eine Komplizin? In der
Türe stand seine Frau F mit verschränkten Armen und sah ihn streng an.
„Hast du was damit zu tun?“, fragte er zurück und wies anklagend auf das Kind.
„Womit?“, fragte F.
„Die ganze Nacht befasse ich mich schon mit dem Fall, wer den Keks aus der Dose geklaut hat, nur
um heraus zu finden, dass K Junior der Sohn des berühmten und gefeierten Kommissars K der
gemeine Keksräuber ist!“, polterte der Kriminalist. Er drohte heftig mit dem Finger, um den
Worten, die seinen Mund nur schwer verließen, nachträglich Gewicht zu verleihen.
Seine Frau blickte an ihm vorbei auf ihr Kind, welches immer noch im Halbschlaf verdutzt auf die
Fesseln schaute.
„Sind das Handschellen?“, rief F und stürmte durch das Zimmer vorbei an K zu dem Kindsbett.
„Natürlich, sind das Handschellen! Diebe haben nichts anderes verdient!“
„Du hast schon wieder getrunken, Volker!“, schrie seine Frau. Verzweiflung und Angst lagen in
ihrer Stimme. Doch wer war dieser Volker?
„Wer ist Volker?“, murmelte K verwirrt. Unbeholfen stützte er sich auf ein Regal.
„Du! Das bist du!“, gab seine Frau zurück. Jetzt weinte sie. Irgendwas lief hier falsch.
„Ich? … Nein … nein! Ich bin Kommissar K!“, brüllte er. Das ergab doch keinen Sinn. Warum log
seine Frau? Warum?
„Du bist kein Kommissar!“, schluchzte sie heftig: „Das bildest du dir alles nur ein, wenn du
getrunken hast! Du verhaftest Kinder dafür, dass sie Kekse nehmen! Das ist doch nicht normal!“
Mit dem Kind auf dem Arm schritt sie auf ihn zu. Er stürzte zu Boden.
„Nein … ich …“
„Dein Name ist Volker – nicht K. Ich bin nicht F und dein Sohn ist auch nicht K Junior.“, sagte sie
mit zitternder Stimme. „Du kein Kommissar. Du bist 46 Jahre alt und arbeitslos. Du warst nie eine
Kommissar und du wirst nie einer sein. Du bist ein Trinker, das bist du!“ Tränen rollten über ihr
schönes Gesicht. „Ich weiß nicht, ob du mit all dem unzufrieden bist oder nicht über den Verlust
deiner Arbeit hinwegkommst oder weiß der Teufel was …“ Sie wurde ruhiger. „Ich weiß nur, dass
ich das nicht mehr aushalte … Ich gehe! Und ich nehme deinen Sohn mit! Versuch nicht mich
aufzuhalten. Ich hab das alles viel zu lange ertragen. Du wirst uns nie wieder sehen, Volker …“ Sie
stürmte zur Tür hinaus, doch drehte sich noch einmal um: „Ich habe dich geliebt, Volker, aber ich
kann das einfach nicht mehr …“, dann verschwand sie.
„Nein! Nicht!“, rief Kommissar K. Er versuchte sich auf zu rappeln, doch die Welt drehte sich ohne
Erbarmen in seinem Kopf und um ihn herum. Dunkelheit umfing ihn.
Mit hoch gestelltem Kragen und herunter gezogenem Hut lief Kommissar K durch dreckige
Straßen. Keuchend atmete die Stadt den menschlichen Schmutz aus den Bars auf die Gehwege,
doch der gewöhnliche Abschaum interessierte ihn nicht. Er war auf der Suche nach dem Verbrecher
V. Der Bastard hatte seine Frau und seinen Sohn verschleppt. Er wusste nicht wohin, nur dass er sie
finden musste, bevor es zu spät war.
Ein Schluck aus dem Flachmann half ihm, die Dinge klar zu sehen. V – dieses miese Schwein. Er war
ihm dicht auf den Fersen, das spürte er und wenn er ihn endlich in die Finger bekam, würde er ihn
umbringen …

Jan Philipp Zymny, erbaut 1993, treibt sich seit 2 Jahren zutiefst erfolgreich auf deutschen Slam- und Lesebühnen herum. Der „Wolverine des Poetry Slams“ ist deutschsprachiger Vizemeister 2012 und zusammen mit Fabian Navarro und Maximilian Humpert das Team 101. Ein Buch hat er auch, es heißt „Pippi Langstrumpf“ und ist von Astrid Lindgren. Er hat aber auch ein eigenes geschrieben und veröffentlicht. Es heißt „Hin und zurück – nur bergauf“ und ist von Jan Philipp Zymny.

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