Texte

Brummhilde

bumblebeeIch habe ein Haustier.

Es ist eine Hummel. Sie heißt Brummhilde. Alberner Name habe ich gesagt, als wir uns kennenlernten. Sie zuckte nur mit den Fühlern und sagte, das nicht jeder Jochen heißen kann. Brummhilde ist auch eigentlich weniger ein Haustier, als vielmehr eine Mitbewohnerin. So wie andere einen Mathematikstudenten, einen arbeitslosen Lehrer oder ein Känguruh bei sich in der Wohnung wohnen haben, ist es bei mir halt die Hummel Brummhilde.

Sie hat einen kleinen Laden für Tonkrüge und Hummelbedarf. Ich dachte, das wäre eine seltsame Kombination, aber sie sagt, das Geschäft würde brummen. Na ja, wenn sie das sagt. Sie ist auch sehr musisch. Sie spielt das Brummeisen in einer Reggae-Deathmetalband. Ihr Lieblingssong ist eine Coverversion von Nikolai Rimsi-Korsakoff: der Hummelflug.

Brummhilde ist eine sehr angenehme Mitbewohnerin. Wir gucken abends oft gemeinsam Fernsehen. Besonders Tiersendungen haben es ihr angetan, z.B. die „Supernanny“ oder „Raus aus den Schulden“. Im Winter kuschele ich mich gerne an Brummhildes Fell. Sie sagt, das sei ein Relikt aus der Eiszeit, aber ganz genau weiß sie es auch nicht, sie wurde etwas später geboren. Neulich haben sie blankbusige UmweltaktivistInnen mit roter Farbe beworfen und als faschistoide Pelzschlampe beschimpft. Da war Brummhilde traurig, sie ist nämlich sehr stolz auf ihren natürlich gewachsenen Pelz und sie hat damit auch schon diverse Preise auf Kaninchenausstellungen gewonnen. Sie tritt dort immer mit aufgesetzten Hasenohren auf und keiner merkt einen Unterschied, solange sie nicht hummelt oder brummt oder summt.

Ein bisschen rechts ist sie allerdings schon, das hab ich auch schon öfter bemängelt. Rassismus ist nicht schön, Brummhilde, hab ich gesagt und sie meint, Ja, ist doof, aber sie kann halt nicht gegen ihre Natur und Wespen findet sie halt kacke. Flugrussen, nennt sie die immer, wegen dem Hang zu roher Gewalt und Wodka Redbull. Und Bienen kann sie auch nicht leiden, weil die den Menschen ihre Kotze als Brotaufstrich verticken und dafür dann auch noch übelst abgefeiert werden. Da ist auch ein bisschen Neid im Spiel brummt Brummhilde und ich nicke wissend, obwohl ich gar nicht zugehört habe, weil es bei der Supernanny gerade hart spannend wurde.

Wenn wir nicht fernsehen, unternehmen Brummhilde und ich oft was gemeinsam. Wir gehen gerne in den Zoo. Da füttern wir die Brummbären mit Brombeeren und rufen „Ihh, Kannibalismus“. Ich wurde deswegen schon von einem Bären als „infantiles Arschloch“ bezeichnet. Das hat mich sehr verwundert. Das Bären auch Fremdwörter kennen, fand ich sehr erstaunlich.

Manchmal gehen wir gemeinsam einen heben, aber sich abschießen macht Brummhilde nicht so wirklich Spaß. Wenn sie besoffen ist, hummelt sie immer fremde Menschen an und wird ausfallend und fällt auch schon mal in mein Bier.

Manchmal erzählt sie mir dann auch von ihrem großen Traum, Brummifahrer zu werden und ich sag dann, das ich nicht glaube, das Hummeln in Deutschland Auto fahren dürfen, schließlich hat sie keine Schultern, über die man den Schulterblick machen können und den Schulterblick finden alle Fahrlehrer voll fett. Schulterblick und nackige Frauenbeine, damit kriegt man Fahrlehrer. Aber Brummhildes Beine sind zwar zahlreich aber eher unspektakulär. Trag mal heiße Halterlose hab ich gesagt, aber sie hat mich nur facettenreich strafend angeguckt. Sie will doch nicht für ne Hummelnutte gehalten werden hat sie dann gesagt und ich dachte, okay, dann halt nicht und habe mir still und heimlich in der Straßenbahn einen von der Palme gewedelt, wie man so schön sagt. Es ist übrigens erstaunlich wie viele unschöne Redewendungen durch den Nebensatz „wie man so schön sagt“ aufgehübscht werden, „Einen von der Palme wedeln“ finde ich zum Beispiel so gar nicht schön, wird hier doch das Runterschütteln von prächtigen Kokosnüssen impliziert, was in keinem Verhältnis zum schrumpeligen deutschen Durchschnittshoden steht. Den Inhalt meines Skrotums würde ich keinesfalls so arogant mit Kokosnüssen vergleichen. Er hat mehr was von zwei wunderschönen Fabergé-Straußeneiern, finde ich.

Brummhilde reicht mir noch mal den Joint. Blöd, das wir keine Freunde außer uns haben, denke ich, da müssen wir das ganze Gras, das wir im Badezimmer anbauen, zu zweit aufrauchen. Wir haben ziemlich viel davon, denn ich hab einen grünen Daumen und Brummhilde kann bestäuben wie blöd, aber rauchen müssen wir den Shit alleine zu zweit. Brummhilde ist eher unbeliebt, obwohl sie doch eigentlich recht flauschig ist. Sie ist halt ein bisschen brummig in ihrer Art, wie das bei Leuten oft so ist, die ein bisschen pummeliger sind. Ich mag sie, denn summasummarumsumm ist Brummhilde ein echt patentes Persönchen.

——–

Blog Top Liste - by TopBlogs.de
Blogverzeichnis - Blog Verzeichnis bloggerei.de

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s