Der kleine Sonntagskrimi/Texte

Der kleine Sonntagskrimi #023

krimi marlowe „Laaaangweilig“, stöhnte Kommissar K. Er und sein Assistent H.saßen in ihrem Büro und schrieben wenig aufregende Berichte über wenig aufregende abgeschlossene Fälle.
„Das ist doch alles Killefit.“
„Pillepalle“, ergänzte H.
„Firlefanz!“ K. warf eine weitere Akte auf den ‚Erledigt‘-Stapel. „Nur öder Kleinkram und einfallslose 08/15-Morde. Das ist doch lahm. Wir haben eindeutig den falschen Job.“
H.zuckte mit den Schultern. „Der Job ist schon ganz okay, nur die Verbrecher hierzulande sind nicht besonders einfallsreich. In den USA läuft das ganz anders ab. Wir bräuchten weniger ‚Tatort‘ und mehr ‚CSI‘.“
K.nickte. „Mehr geheimnisvolle Motive und ausgefuchste Mordmethoden.“
„Und eindeutig cooleres Equipment. Zum Beispiel diese 3D-Bildschirme, an denen man Tathergänge simulieren kann.“
„Gibt es sowas überhaupt im realen Leben?“
H.zuckte mit den Schultern. „Wen interessiert’s? Hauptsache es sieht gut aus.“
„Wir brauchen mehr kriminelle Sexiness.“
„Genau“, ereiferte sich der Assistent. „Zum Beispiel mal so einen richtig psychopatischen Serienkiller.“
K.tippte auf den Tisch. „Aber kein stumpfer Hassmörder. Eher so ein verbrechererisches Genie. Einer, der uns und unseren Intellekt herausfordert.“
„Genau.“
„Was wir brauchen …“, sprach der Kommissar und stieg zur Unterstreichung seiner Worte auf den Schreibtisch. “ … ist eine Nemesis. Ein ewiger Gegenspieler.“
Das Telefon klingelte. K. drückte auf den Knopf für den Lautsprecher. „Guten Tag, Kommissar K. am Apparat. Was kann ich für sie tun?“
„Einen schönen guten Tag“, sagte eine elektronisch verzerrte Stimme. „Hier spricht ihr neuer ewiger Gegenspieler. Aber sie können mich ruhig Nemesis nennen, das ist praktischer.“
„Oh. Was für ein Zufall, wir haben gerade von ihnen gesprochen. Was können wir denn für sie tun, Nemesis?“
„Begeben sie sich in das Chemielabor der Universität! Sofort.“ Der Unbekannte legte auf.
K.sah H. an, zuckte mit den Schultern und schnappte sich seine Jacke.

Im Labor angekommen, erwartete sie ein grauenvoller Anblick. Auf drei Tischen lagen Leichen, allen wurden Augen und Mund zugenäht, die Füße abgesägt und vertauscht wieder angetackert. Zwei Männer, eine Frau. Sie waren allesamt in Frischhaltefolie eingewickelt und man hatte jedem dutzende Edeka-Sticker auf den Torso geklebt, die eine 6 formten.
Noch etwas irritierender war die komplette Glücksrad-Buchstabenwand, die an einer Seite des Raumes aufgebaut war. Es lagen Buchstaben zum Einsetzen bereit und ein Zettel klebte daran: „Was ich hasse.“
Kommissar K.ließ die Personalien der Leichen ermitteln und studierte das Ergebnis. Sie hatten alle drei an der Uni gelehrt. Eine Biologin, ein Physiker und ein Chemiker. K.nahm sich Buchstaben aus dem Stapel und setzte an der Wand das Wort „NATURWISSENSCHAFTEN“ ein. Als er das letzte N eingesetzt hatte sprang in der Zimmerecke ein Fernseher an. Das Bild rauschte.
„Daher die Sechsen“, raunte K. seinem Assistenten zu. „Das hat nichts mit irgendeinem Satanskult zu tun. Der Mörder ist in Naturwissenschaften durchgefallen. Und jetzt rächt er sich.“
Das Rauschen auf dem Fernseher wich einem undeutlichen Bild. Man erkannte eine Silhouette. „Glückwunsch, Herr Kommissar“, sprach die bekannte elektronische Stimme. „Sie haben mein Rätsel gelöst. Aber glauben sie ja nicht, das sie mir damit auf der Spur wären. Oder meinen nächsten Schachzug vorhersehen könnten.“ Seine Stimme wurde drohend. „Ich bin in vielen Fächern durchgefallen. In sehr vielen.“ Der Fernseher ging aus.
„Verdammt“, fluchte K. Er sah sich um. Auf einem Tisch beim Ausgang lagen ein paar Akten. Er ging zu dem Tisch und wischte wütend alles herunter. Dann rannte er auf das Dach und brüllte über die Stadt: „Ich werde dich kriegen. Das schwöre ich.“ Regen setzt ein und unterstrich die sinnfreie aber nett anzuschauende dramatische Szene.
K. sah auf die Stadt hinab. Irgendwo dort trieb sich ein Irrer herum, der ihn verhöhnte und herausforderte.
„Gnihihi“, gniddelte K.fröhlich und klatschte sich in die Hände. Das könnte noch dufte spannend werden.
Er bemerkte nicht, das er von einem anderen Dach aus von einer schattenhaften Gestalt beobachtet wurde, was ganz schön gruselig war. Aber er merkte ja, wie gesagt, nichts davon, deswegen gruselte er sich nicht.
Statt dessen K. zündete sich eine Zigarette an. „Fortsetzung folgt, Nemesis. Fortsetzung folgt“, knurrte er.
Dann fiel ein Schuss.

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