Der kleine Sonntagskrimi/Texte

Die kleine Sonntagskrimi #022

thekillers1946„Wenn ich einen Coach haben wollte, wäre ich Fußballspieler geworden und nicht Bulle“, brummte Kommissar K. Sein Vorgesetzter zuckte mit den Schultern.
„Heutzutage muss man sich für alles mögliche coachen lassen. Und sie haben nun mal diesen spektakulären Erpressungsfall gelöst, dann müssen sie auch bei der Pressekonferenz vor die Kameras. Und Doktor F. ist nun mal eine Expertin darin, sie sprachlich fit zu machen, damit sie kompetent rüberkommen.“
K. schnaufte. Büro- und Pressearbeit, das machte leider nicht nur den langweiligsten, sondern auch größten Teil seines Tagesablaufes aus. „Ja, schon gut, schicken sie sie rein.“
Sein Vorgesetzter verschwand und eine bebrillte und etwas verkniffen wirkende junge Frau trat ein. K. reichte ihr die Hand. „Guten Tag. K.mein Name. Kommissar K. Und sie sind Frau Doktor F.?“
„Doktorin F., wenn ich bitten darf.“
„Was?“
„Doktorin. Frau Doktor ist ein veralteter Terminus, der die gelehrte Frau herabsetzt. So, als wäre es erstaunlich, das eine Frau ihren Doktorgrad erreicht.“
„Aha.“
„Sehen sie, genau deswegen bin ich hier. Ich bin die Genderbeauftragte der Polizei. Ich bin da, um mit diesem Machodenken hier aufzuräumen. Und um ihnen zu helfen, das neue emanzipierte Denken der Behörde auch nach außen hin zu transportieren.“
„Aha.“
„Am besten wir fangen damit an, das sie mir ihren Text vorlesen, den sie für die Pressekonferenz vorbereitet haben und wir ihn gemeinsam durchkorrigieren.“
Okay. Also..“ K. atmete durch und konzentrierte sich auf seinen Notizzettel. „Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger….“
„Nein, nein. Falsch.“
„Was? Wieso? Ich hab doch explizit die Frauen erwähnt. Sogar an erster Stelle.“
„Ja, aber dieses abgrenzende Denken ist doch wieder typisch. Frauen muss man nicht vorlassen. Und dieses Binnen-I ist völlig 2010.“
„Und was soll ich ihrer Meinung nach sagen?“
„Mitbürgerinnen.“
„Wie jetzt? Nur ‚Mitbürgerinnen‘?“
Sie nickte eifrig. „Da ist schon alles drin, auch der männliche Mitbürger. Und vor allem kein ‚Liebe‘. Frauen muss es auch gestattet sein, nicht lieb zu sein. Wir sind nicht mehr die Heimchen, die kochen, die Kinder hüten und auf den Mann warten. Aber erst mal sollten sie sich sowieso dafür entschuldigen, das sie weiß sind.“
„Bitte was?“
„Ja, das weckt Vertrauen. Es signalisiert, das sie sich ihrer Rolle als privilegierter weißer Mann und ihrer damit verbundenen Schuld bewußt sind und dieses zutiefst bedauern.“
„Ich hab doch gar nichts gemacht“, sagte K. ehrlich verblüfft. „Der Täter war’s.“
„Die Täterin.“
„Wieso Täterin? Es waren doch nur Männer am Tatort.“
„An der Tatszene. Ort ist männlich.“
„Also, jetzt habe ich aber langsam die Faxen dicke.“
„Vorsicht, sie sollten jegliche Anspielungen auf mein Gewicht unterlassen. Sonst haben sie ganz schnell einen Dienstaufsichtsbeschwerde am Hals.“
„Das heißt ‚eine Dienstaufsichtsbeschwerde‘.“
„Ach ja, sie Sexist? Warum? Weil etwas negatives wie eine Beschwerde automatisch weiblich sein muss? Sie widern mich an.“
K. hob kapitulierend die Hände. „Na gut, ich gebe auf. Eine Frage hätte ich noch.“
„Und die wäre?“
„Heißt es jetzt noch ‚der Mord‘ oder doch ‚die Mord‘?“
„Wie kommen sie denn jetzt darauf? Ich dachte, es ging um Erpressung?“
„Ach nur so“, sagte K. und dachte: ‚Weil ich gleich einen oder eine Mord begehen werde und bei meinem oder meiner Geständnis will ich ja nichts falsches erzählen.‘
Seine Hand strich versonnen über den Griff seiner Dienstwaffe. Oder über die Griff seines Dienstwafferichs. K. war sich da grad nicht mehr so sicher.

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