Der kleine Sonntagskrimi/Texte

Der kleine Sonntagskrimi #021

ravenDer Sommer. Eigentlich eine Jahreszeit, die Kommissar K. gut gefiel. Dann konnte er Stunden im Garten verbringen, ihn hegen und pflegen und abends bei einem gepflegten Bierchen auf der Veranda ein Steak grillen.
In diesem Garten sah die Sache etwas anders aus. Auch hier gab es gepflegte Hecken und Büsche, ein ansprechende Aufteilung in Beet und Rasenfläche, einen kleinen Teich und sparsam platzierte Verzierungen. Allerdings wurde das Gesamtbild getrübt durch einen etwa fünf Meter langen Streifen, auf dem der Rasen mit Blut durchtränkt und allerlei fleischigen Stückchen verschmutzt war. Am Ende des Streifen lagen die Überreste eines streitsüchtigen Nachbarn halb unter einem blutbesudeltem Rasenmäher.
Dessen Besitzer stand mit hängenden Schultern und in Handschellen gefesselt vor dem Kommissar. Er hatte sich ohne Widerstand festnehmen lassen und war geständig. Er zitterte am ganzen Körper.
K. sah auf ihn herab und schüttelte den Kopf. „Mann, mann, mann. Was haben sie sich eigentlich dabei gedacht?“
„Ich weiß es nicht“, antwortete der Mann mit piepsiger Stimme.
„Sehen sie sich nur an, was sie getan haben. Wissen sie eigentlich was sie da angerichtet haben?“ K. fasste den Mann an die Schulter und drehte ihn so, das sein Blick auf den Tatort fiel.
„Leute wie sie machen mich krank“, fuhr der Polizist fort.
„Es tut mir so unendlich leid…“
„Das sollte es auch. Das sollte es wirklich. Ich meine, was haben sie für eine Schnitthöhe eingestellt?“
„…zwei Zentimeter.“
„Zwei Zentimeter!“ K.wurde laut. „Habt ihr das gehört, Leute? Zwei Zentimeter Schnitthöhe. Wollten sie den Rasen mähen oder abschleifen? Und lassen sie mich raten: vertikutiert haben sie in dieser Saison auch noch nicht?“
„Nein.“
K. fasste sich verzweifelt an die Stirn. Was er in seinem Job alles erlebte, ging echt auf keine Kuhhaut.
„Führt in ab“, fauchte er. „Der Kerl macht mich krank. Zwei Zentimeter Schnitthöhe, hat man sowas schon gehört? Glauben sie bloß nicht, das sie im Knast gärtnern dürfen, das können sie sich abschminken!“
Der Mann brach in Tränen aus. Aber Kommissar K. empfand kein Mitleid für ihn. Er wandte sich ab und winkte den Leuten von der Spurensicherung zu. „Und könnt ihr euch mal mit der Leiche ein bisschen sputen? Das Gras muss atmen können und das geht nicht, wenn da die ganzen Gedärme drauf liegen. Das verklebt doch alles.“
Er schnaubte. Mangelndes Feingefühl, damit hatte er jeden Tag zu tun. Gut, das er immer da war, um die wirklich wichtigen Dinge im Blick zu behalten.

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