Der kleine Sonntagskrimi/Texte

Der kleine Sonntagskrimi #016

knast

„Olé, olé, olé“, raunte K. Er stand in der VIP – Lounge des lokalen und sehr reichen Fußballclubs und sah hinab auf den Rasen, der das Sponsoring bedeutete. Die Mannschaft war gerade mit Aufwärmübungen für das Training beschäftigt und sah von hier oben aus wie betrunkene arbeitsfaule Ameisen.
„Also, worum geht es?“, fragte er den Vize-Präsidenten des Clubs, der sich in einen absurd großen weißen Sessel geflegelt hatte.
Der legte die Hände aneinander und wurde nachdenklich. „Die Angelegenheit ist sehr delikat, Herr Kommissar. Ich würde es vorziehen, wenn wir sie nicht offiziell behandeln könnten, zumindest vorerst.“
„Sie wollen vor allem die Presse raushalten, vermute ich.“
Der Vize nickte. „Das wäre für uns alle am Besten. Es geht ja nicht nur um uns. An diesem Verein hängen viele Jobs. Sind sie ein Fan?“
Der Kommissar zuckte mit den Schultern. „Kann man nicht so sagen. Ich bin vielleicht ein, zwei Mal pro Jahr im Stadion. Mein Sport ist eher Minigolf.“
„Oh, Minifgolf“, sagte der Vize anerkennend. „Fett krasser Scheiß. Nun ja, ich hoffe, ich kann trotzdem auf ihre Diskretion bauen.“
Der Kommissar setzte sich. „Ich tue was ich kann. Was ist denn passiert?“
„Seit drei Tagen erreichen wir unseren Vereinspräsidenten nicht mehr. Und zeitgleich wurde von ihm Geld von unserem Konto auf eines in der Schweiz übertragen, das auf seinen Namen läuft. Wir möchten, das sie ihn finden, Herr Kommissar. Und wir hoffen auf Milde des Gerichts, denn letztendlich ist er nicht nur unser Vorsitzender, sondern auch ein Freund, der einen schwachen Moment hatte.“
Nachdenklich kratzt sich K. am Kinn. „Hm. Unterschlagung. Das ist ein kapitales Kapitalverbrechen. Um wieviel handelt es sich denn?“
Der Vize atmete tief durch. „Etwa elf Millionen Euro.“
Kommissar K. nickte bedächtig. „Ach so. Na dann haben sie ja nicht viel zu befürchten. Bei solchen Summen kommt man nicht ins Gefängnis. Es wäre was anderes, wenn es sagen wir mal 500 Euro wären, dann gäbe es hundert Pro Knast. Aber so… Nee, nicht in Deutschland. Keine Sorge, ich finde ihren Präsidenten und im Nu ist er wieder auf dem Posten und kann sich weiter um den Club kümmern. Der Fall ist so gut wie gelöst.“
Der Vize atmete erleichtert auf. „Da haben sie wohl recht. Möchten sie ein Glas Champagner?“
K. nickte.
Die beiden tranken Schampus, sahen hinab auf die Spielfläche und lachten gelegentlich, wenn ein Multimillionenspieler besonders lustig auf die Schnauze fiel.

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