Der kleine Sonntagskrimi/Texte

Der kleine Sonntagskrimi #011

Philip-Marlowe

Den Kommissaren Schimanski und Tschiller gewidmet.

„Wir kommen irgendwie nicht voran“, sagte Kommissar K.
Er und sein Assistent H. hatten sich im Fall eines Doppelmordes verrannt und besichtigten noch einmal den Tatort, ein miefiges billiges Hotelzimmer. Dunkle Holzvertäfelung atmete Jahrzehnte Zigarettenrauch aus, alles war hier irgendwie gelb und bräunlich. Natürlich mit Ausnahme der beiden Blutflecken auf dem fadenscheinigen Teppich.
„Wir haben kein Motiv“, fasste H. zusammen, „Wir wissen noch nicht mal, wer die beiden Toten sind und wir haben weder Zeugen noch Tatwaffen.“
„Ja“, raunzte K. missmutig. „Ein echter Scheißfall.“ Er trat die Klotür ein. Verdammte Scheiße, dachte er, sein jahrelanger Alkoholmissbrauch, seine Spielschulden und der Tod seiner Frau hatten ihn reizbar gemacht. Er musst sich beruhigen. Erstmal eine rauchen. Er schoß sein gesamtes Magazin leer, um die Fensterscheibe zu zerstören. Er stellte sich ans Fenster, um den Rauch in die Luft der großen grauen Stadt zu pusten. Sein Blick fiel auf den Hotelparkplatz, wo ein Mann zu ihm raufsah.
„Wir werden beobachtet“, brüllte K.. „Verfickte Scheiße auch, der weiß bestimmt was!“ Mit diesen Worten hechtete er durch das Fenster. H. sparte sich den Hinweis, das so etwas im achten Stockwerk vielleicht keine allzu gute Idee ist und sprang einfach hinterher. Glücklicherweise stand direkt unter dem Fenster ein großer Container mit gelben Säcken die ausschließlich Luftpolsterfolien enthielten, auf denen die beiden sanft landeten. Der Unbekannte floh mit einem Auto. K. fackelte nicht lange. Er sprang vor einen vorbeifahrenden Kleinwagen. „Stop! Polizei!“, brüllte er. „Wir müssen ihr Auto beschlagnahmen.“ Der Fahrer wollte gerade aussteigen, da zerrte ihn K. aus dem Wagen und schlug ihn noch kurz grundlos zusammen, bevor er mit quietschenden Reifen die Verfolgung aufnahm. Ein Reisebus konnte ihm nur knapp ausweichen und raste in das Hotel, das sofort in Flammen aufging und explodierte.
Mit Hochgeschwindigkeit überfuhr K. drei rote Ampeln. Sein Assistent jammerte „Huiuiui!“, was sehr witzig wirkte und etwa vierzig Fahrzeuge wurden in eine Massenkarambolage verwickelt. Einige gingen sofort in Flammen auf und explodierten, darunter ein Elektromobil, zwei Fußgänger und ein Fahrrad.
„Da ist der zugewichste Scheißkerl“, rief K.fröhlich als sie zu dem Verfolgten aufschloßen. „Schießen sie auf die Reifen!“
H. tat wie ihm geheißen. Weit lehnte er sich aus dem Autofenster und feuerte zweiundzwanzigmal aus seinem sechsschüßigen Dienstrevolver auf den Verfolgten. Er verfehlte, nur ein Querschläger traf den Angestellten einer Tankstelle im Oberschenkel. Die Tankstelle ging sofort in Flammen auf und explodierte, das Feuer griff auf eine benachbarte Bettwäschenäherei und eine leerstehende Lagerhalle über, die sofort in Flammen aufgingen und explodierten.
Die Verfolgungsjagd ging weiter an einen Probierstand von Nescafé („Jetzt ein guter Nescafé, das wäre was!“, sagte K.) und über eine weitere Kreuzung, wo sie erneut eine Massenkarambolage verursachten, der nur ein blitzblanker Audi A 5 entging, da dieser mit elektromechanischer Servolenkung und den neuesten intelligenten Bremssystemen ausgestattet war („Tja, Vorsprung durch Technik“, raunte H.). Es ging in eine scharfe Rechtskurve, wobei K. eine Gruppe Nonnen touchierte. Die Nonnen fingen sofort Feuer und explodierten.
Verfolgter und Verfolger verliessen die Stadt und rasten in eine Abraumhalde. „Ha!“, rief K. „Jetzt sitzt der verfickte Arschwichser aber fest. Hier gibt’s keinen Ausweg.“
Doch der Unbekannte wollte nicht aufgeben. Bis ganz hoch auf die Halde raste er, immer K. dicht auf den Fersen, bis er über einen Abhang hinaus schoß. Der Wagen fiel scheinbar endlos zwanzig Meter tief. K. konnte noch rechtzeitig stoppen. Er und sein Assistent rannten zur Rand des Abgrunds und sahen gerade noch wie das Auto in einen See stürzte und versank. Es fing sofort Feuer und explodierte.
K. steckte sich eine Zigarette an und setzte sich an den Abhang. Sein weißes Unterhemd war zerrissen und er blutete aus mehreren Wunden, aber er wirkte recht zufrieden. „Fall gelöst“, sagte er. H. setzte sich zu ihm und beide sahen hinunter auf die Stadt, aus der hier und da Rauchwolken aufstiegen.
„Na ja, eigentlich sind wir keinen Schritt weiter“, spaßverdarb H. „Aber bei soviel Action ist halt nicht viel Platz für Handlung.“
K. schlug ihm auf Schulter. „Scheiße, verfickt, genauso ist es, H. Genau so ist es.“

 

 

 

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